Quantensprung [Franklin, SL]

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Franklin
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Registriert: Do 27. Aug 2026, 23:16

Quantensprung [Franklin, SL]

Beitrag von Franklin »

Franklin hatte diesen Abend im Q eigentlich wirklich gebraucht. Sein Kopf war voll von den Theorieseminaren - Wer brauchte das? Wozu aus Theater eine Wissenschaft machen? - und was das mit diesem Paten werden sollte, konnte er auch noch nicht sagen. Dann heute dieser Blackout bei der Probe... und überhaupt fühlte sich gerade alles etwas zu viel an.

Aber das war jetzt, hier, hinterher, nur noch mehr geworden und... schlimmer? Nein, eher verwirrender. Und beunruhigender.

Wäre es an einem anderen Abend anders gelaufen? Hätte er nicht gerade zum FUQIT gehen sollen?
Aber freier Eintritt, die Rainier Tall Boys nur für $5 und die Adios Motherfuckers $5 weniger als sonst war zu verlockend - und auch sinnvoll für das Budget, wo der Monat doch gerade begonnen hatte.
Okay, das mit dem freien Eintritt hatte nicht geklappt weil er es nicht rechtzeitig vor 22 Uhr zum Einlass geschafft hatte, aber egal. Die $10 waren gut investiert.

Annaweezyy und XEAN hatten als local support sehr gute Sets vorgelegt. Die harten Bässe von Dubstep und Riddim gingen durch und durch. Die schnellen Genre-Wechsel fegten die Gedanken aus dem Kopf. Die Cocktails hatten für ein angenehm warmes Hintergrundsummen gesorgt.

Franklin konnte spüren, wie die Party-Energie in ihm und der Menge immer weiter anstieg. Seine Sinne fühlten sich geschärft an - die Nebelmaschine, das Aroma von den clubeigenen Kokos-Vodka-Infusionen, das Süß-Saure der AMFs - irgendwie roch oder schmeckte er es fast auf Distanz. Die Decke des Clubs mit den grün-violetten Lasern pulsierte dreidimensional und das Licht der LED-Säulen und Screens wusch in Wellen über ihn hinweg.

Als mit CALCIUM der Main Act begann, wurde alles noch mal eine Stufe intensiver. Als ob nicht nur die Soundanlage des Q sondern auch Franklins Gehirn auf Maximum hochgedreht wurde.
Die kreischenden Synthesizerklänge übernahmen die Kontrolle über ihn und die Menge. Sie waren gleichzeitig schmerzhaft und berauschend.

Die Stimmung auf der Tanzfläche wurde euphorisch, fühlte sich lustvoller und aggressiver an. Seine Wahrnehmung ändert sich, erreichte ein neues Niveua. Das Leuchten vom Schweiß der Tänzer, der glitzernde Nebel, der von verschütteten Wodkas auf dem Boden aufstieg, das säuerliche Kichern des glühenden Blaus der AMFs und der rauchige Geschmack der Sub-Bässe verwoben sich mit Musik und Laserlicht zu einer komplexen Struktur.

Die Grenze zwischen ihm und den Feiernden begann, zu verschwimmen. Waren es die Gefühle der Anderen, die von außen in ihn eindrangen? Oder strahlte er von innen nach außen in die Leute um ihn herum? Eine Wechselwirkung aus Beidem?

Dann war da dieses Ding erschienen, das wie ein wildes Tier wirkte, und hatte sich durch die Menge an ihn herangepirscht. Und als das Wesen dann in die LED-Säule sprang und sich alles veränderte...

Nein! Daran wollte er sich jetzt nicht erinnern! Als dieser andere Tanz vorbei war und er wieder zu sich kam, wollte er einfach nur weg, raus aus dem Club! Er war bis zum Cal Anderson Park gerannt und jetzt hockte er hier auf den Stufen am Pumpenhaus und wartete darauf, dass sich seine Sinne wieder beruhigten...
...und dass er sicher sein konnte, dass dieses Wesen wirklich weg war - er glaubte, dass es ihn auch in den Park verfolgt hatte. Er hatte ein Kläffen und Jaulen gehört und diese kehlige Stimme, die seinen Namen gerufen hatte, spöttisch und schmeichelnd und stichelnd zugleich...
"Man muss noch Chaos in sich haben, um einen tanzenden Stern gebären zu können."
- Friedrich Nietzsche

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