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Re: Zeit zu erwachen [Masamune, Reiko (SL)]
Verfasst: So 18. Jan 2026, 21:41
von Masamune
Die Worte seiner Mutter taten das, was sie immer taten: Sie trafen ihn mit voller Wut der Erkenntnis. Masamune schwieg; Dachte nach. Als Kimiko ging, nickte er ihr dankbar zu.
"Was würde ich nur ohne dich tun, Mutter?"
Er schloss die Augen und schließlich stand er auf. Er musste sich
frisch machen und weiter nachdenken.
Re: Zeit zu erwachen [Masamune, Reiko (SL)]
Verfasst: So 18. Jan 2026, 21:43
von Masamune
Zeitsprung
Es dauerte einige Tage - noch im alten Jahr. Morgen stand Silvester vor der Türe und Masamune hatte vor das alte Jahr nicht im Streit zu beenden - etwas, was ihm
morgen gleich um die Ohren fliegen würde.
Die Adresse hatte er aus den Unterlagen des Dojo. Das Geschenk - ein Paket, was ihn an Höhe überragte, aber an sich ziemlich schmal war - hatte etwas Zeit gebraucht, aber letztlich war es angekommen. Er wollte nicht ohne dieses vor der Türe stehen. Nachmittags - so wie sie sonst beim Training war - klingelte Masamune an der Wohnungstüre. Er trug heute einen Kimono, wirkte daher weniger, wie der Samurai, der er im Herzen war.
Der Japaner war angespannt - und konnte sich gar nicht erklären wieso. Und doch war da diese Erkenntnis, die die letzten Tage in ihm gereift war: Er wollte Reiko nicht verlieren. Egal, wie schwer das hier werden würde.
Re: Zeit zu erwachen [Masamune, Reiko (SL)]
Verfasst: Mo 26. Jan 2026, 15:39
von Mystiker
Die Adresse führte in einen Apartmentkomplex in gutem Zustand und er musste tatsächlich in den obersten Stock, auf welchem es nur zwei Wohnungen zu geben schien. Es dauerte tatsächlich einen Moment, bis man von Innen das drehen von Schlüsseln und klacken von Schlössern hören konnte. Dann öffnete sich die Tür und Reiko sah ihren Sensei erst überrascht, dann aber ernst an. Sie trug ein enges Sporttop und eine locker sitzende, lange Sporthose. Sie war Barfuß und hatte ein Handtuch über der Schulter. Offenbar war sie gerade beim Training. Ihr Haar hatte sie in einen Zopf nach hinten gebunden, aber man konnte sehen, dass sie ungeschminkt war und wohl geschwitzt hatte. "Hallo Sensei." begrüßte sie ihn in einem sehr neutralen Ton, ohne ihn direkt hinein zu bitten oder zur Seite zu treten.
Re: Zeit zu erwachen [Masamune, Reiko (SL)]
Verfasst: Di 27. Jan 2026, 00:20
von Masamune
Also die Zeit verstrich, begann die Ungewissheit an ihm zu nagen und ihn dazu zu drängen zu gehen. Sein Bauch zog sich zusammen. Das würde unangenehm werden und das einfachste wäre es zu gehen. Aber das zu tun, würde einfach jedem Aspekt des Bushido widersprechen:
- Zögern beim Treffen von Entscheidungen und die Vernunft außer Acht lassen
- Feigheit in einer schwierigen Situation
- Güte gegenüber Reiko verweigern, denn für sie war das letzte Gespräch sicher noch schwerer
- Respektlosigkeit
- Fehlende Aufrichtigkeit
- Die eigene Ehre wäre beschmutzt
- Und was war mit der Loyalität? Sein Dojo war eine zweite Familie geworden und er hatte eine Pflicht diesem Gegenüber.
Egal wie schwer es werden würde, Masamune würde bleiben. Doch der Bushido verstärkte ohnehin nur, was in der japanischen Kultur fester Bestandteil ist - auch heute noch.
Trotz Allem, konnte er seinen Zwist nicht verbergen, als die Türe geöffnet wurde. Er verharrte, schluckte und dann nach einem kurzen Zögern verbeugte er sich. Es war offensichtlich ihr Wunsch nicht reinzutreten. Also respektierte er dies.
"Kon'nichiwa Reiko-San."
Bei der Verbeugung, die er aufrecht hielt, verharrte das 'Päckchen' an seiner linken Seite. Nach der Begrüßung richtete er sich wieder auf, aber nur mit dem Kopf. Sein Oberkörper blieb, wenn auch weniger, nach vorne gebeugt.
"Ich bin gekommen, um mich dafür zu entschuldigen, dass ich dir das Gefühl gegeben habe über dich und deine Entscheidungen oder dein Leben zu bestimmen. Es war weder meine Absicht dir dieses Gefühl zu geben, aber noch weniger es tatsächlich zu tun. Ich habe nur an meinen Schwur dir gegenüber gedacht und vergessen dich als das zu sehen, was ich eigentlich schon längst in dir erkannt hatte."
Er jetzt erhob sich Masamune ganz, jedoch nur, um das Paket zu öffnen, welches sich als Holzverpackung entpuppte, die mit Scharnieren gesichert war. Diese klappte der Samurai auf und öffnete dann den Deckel, um den Inhalt zu offenbaren. Die 'Waffe' der Hausfrauen war in der Regel ein Stab. Aber Kriegerinnen aus den alten Tagen führten eine Naginata, um ihre körperlichen Nachteile auszugleichen. Und so eine lag in der Kiste auf einer roten Stoffbahn: Die Waffe einer Kriegerin, keiner Hausfrau.
Die Naginata war wenig geschmückt - wie konnte es auch Anders sein? - eher traditionell gehalten. Die Klinge war mit einer Scheide versehen, die aber in der Kiste daneben festgebunden war, um eine entsprechende Präsentation zu ermöglichen. Nachdem die Kiste geöffnet war hielt Masamune sie mit beiden Händen waagerecht. Dabei ging er wieder in die leichte Verbeugung über.
"Ich habe als Sensai noch viel zu lernen. Unter Anderem, dass meine Schüler ihre Kämpfe selber kämpfen müssen, damit sie zu den Bushi werden können, die ich in ihnen erkenne. Ich will dich bitten meine Fehler als Weg des Lernens zu sehen, so wie ich sie als solche sehen muss, um an ihnen zu wachsen. Und... ich will dich bitten, zurück zu kommen, damit wir fortführen können, was wir begonnen haben... ... ... gemeinsam."
Am Ende atmete Masamune aus. Tief. Bewusst. Ehrlich... und erleichtert, dass er das sagen konnte, was ihm seit Tagen auf der Seele brannte. Er würde nicht ändern können, was sie im Streit gesagt hatten. Und vielleicht hoffte er auch im Gegenzug auf Verständnis für sein Versprechen ihr Gegenüber - etwas, was nicht einfach gelöst werden konnte - aber er forderte Nichts ein. Die Erkenntnis über seine Loyalität musste in Reiko selber wachsen, so wie das Verständnis für ihre Bedürfnisse in ihm wachsen mussten.
Re: Zeit zu erwachen [Masamune, Reiko (SL)]
Verfasst: Mi 28. Jan 2026, 21:48
von Mystiker
Reikos Blick blieb bei all den Worten Masamunes ausdruckslos. Scheinbar wollte sie erst einmal abwarten, bis ihr Sensai fertig war. Als dieser dann die Waffe als Geschenk präsentierte, hoben sich ihre dünnen Augenbrauen etwas und sie zog die Tür vollkommen auf. "Kommt bitte rein. Die Nachbarn müssen das nicht unbedingt mitkriegen." Sie war auf Japanisch gewechselt und trat nun auch zur Seite, um Masamune einzulassen. Vielleicht hatte die Ansprache bereits geholfen.
Nachdem man durch die Tür getreten war, betrat man direkt eine Art Wohnzimmer, welches inklusive der Kücheninsel an einer Seite den Hauptteil der Wohnung darzustellen schien. Es war mit Dielen aus dunklem Holz ausgelegt und senkte sich in Richtung der einen Seite Stufenweise ab. Dort waren bodentiefe Fenster eingelassen und eine Glastür, die auf eine Dachterasse führte. Diese war nun zusammengeräumt und schien derzeit nicht benutzt zu werden. Auf demselben Level befand sich eine große, bequem aussehende Couch und ein niedriger Tisch auf dem frische Blumen standen. Die Kücheninsel sah mit schwarzen Akzenten, Fronten und einer schwarzen Arbeitsplatte sehr stilvoll aus. Außerdem gab es noch zwei weitere geschlossene Türen.
"Kann ich euch Tee anbieten?" fragte sie, während sie ihn in den Raum führte und machte sich auch direkt auf den Weg zur Kücheninsel, um einen Topf mit heißem Wasser aufzusetzen. Während sie den Tee aus einer kleinem Säckchen holte und die Teeblätter in einen dünnen Filter in eine Porzellankanne gab richtete sich ihr Blick nur kurz wieder zu Masamune. "Was hat euch eure Meinung ändern lassen? Wieso ist euer Versprechen nun plötzlich nicht mehr so wichtig?"