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Re: Etwas ist faul im Staate Dänemark [Liam, H.H. Skolem]

Verfasst: Di 6. Jan 2026, 19:52
von Liam Carpenter
„Ich nehm die Frage gerne mal mit. Bisher hatten wir keine Interessenten von außerhalb der Studentenschaft, also haben wir das nie besprochen.“
Er persönlich war für die Idee sehr offen. Letztendlich war es ein Raum um zusammenzukommen und gemeinsam Spaß zu haben. Er hielt nichts davon in diesem Zusammenhang einen Türsteher aufzustellen. Zumal es an reinen Studentenveranstaltungen nun wirklich nicht mangelte.
„Das ist nett, danke. Ich nehme eine Cola Zero.“
Die Bedienung notierte ihre Wünsche und verschwand dann in Richtung Tresen. Liams Miene unterdessen bekam einen nachdenklichen Zug.
„Ich denke das ist eine Frage der Betrachtungsweise. So wie wir als Gesellschaft manchmal miteinander umgehen könnte man meinen jeder sitzt allein in seinem kleinen Kanu und baut sich Harpunen aus Hass, Missgunst und Schadenfreude um damit auf Sicht seine Nachbarn zu beschießen nur um irgendwann von einem aus Sklaven gebautem goldenen Segelschiff kommandiert von Großkapitalisten aufgebracht zu werden.“
Das sie alle zur selben Mannschaft gehörten, das fiel ihm manchmal schwer zu glauben bei der Freibeutermentalität die einem überall begegnet. Insbesondere dort wo Macht vorhanden war. Wo er Skolem allerdings recht gab war, dass ihr Schiff an zig Stellen leckte.
Dass sein gegenüber so eine Abneigung gegenüber Glücksspielen hegte kam dann allerdings überraschend.
„Haben sie eine persönliche Vendetta mit Fortuna oder mögen sie den Gedanken nicht dass es Dinge gibt auf die wir keinen Einfluss nehmen können?“

Re: Etwas ist faul im Staate Dänemark [Liam, H.H. Skolem]

Verfasst: Mo 19. Jan 2026, 20:13
von H.-H. Skolem
Skolem nickt dankbar, als Liam anbietet, mal im Spieleclub anzufragen.

Dann setzt er an "Nur, weil die Menschen oft schlecht miteinander umgehen, heißt dies nicht, sie säßen nicht in einem Boot. Sie müssen es halt nur erst einmal erkennen. Alles hängt irgendwie zusammen - die Ausbeutung dort mir der Armut hier, die Unterdrückung der einen mit dem Elend der anderen. Die Trauer eines Hinterbliebenen mit der Resignation des Verstorbenen. Alles hat Konsequenzen und alles hat einen Grund - in der "Ethik" von Spinoza wird das wunderbar beschrieben. Falls Sie mal die Gelegenheit dazu bekommen, kann ich ihnen die Lektüre nur empfehlen, Mr. Carpenter."

Die Bedienung bringt indes ihre Getränke vorbei, Skolem prostet Liam zu und noch während der trinkt, schnippt Skolem heimlich einen kleinen Tropfen seines Whiskeys auf den Boden und murmelt etwas in sich hinein. Dann nimmt er ebenfalls einen großen Schluck.

"Das erklärt dann auch, warum es keinen Zufall gibt. Nur, weil wir auf manche Dinge scheinbar keinen Einfluss haben, bedeutet dies noch lange nicht, dass sie zufällig geschehen. Wir wissen nur schlicht zu wenig über sie."

Er nimmt einen weiteren Schluck. "Eine Fehde mit Fortuna kann ich also ausschließen - man kann nichts bekämpfen, was es nicht gibt."

Re: Etwas ist faul im Staate Dänemark [Liam, H.H. Skolem]

Verfasst: Mi 21. Jan 2026, 13:53
von Liam Carpenter
„Sobald ich mit: Mathe für Biologen fertig bin.“
Er lächelte gequält als er das sagte. Mathe war nicht sein Forte, aber leider unabdingbar für wissenschaftliches Arbeiten.
Er erwiderte die prostende Geste mit seinem eigenen Glas und nahm einen Schluck während er Skolems Ausführungen überdachte.
„Ich persönlich glaube das alles eine Ursache und eine Wirkung hat, aber nicht alles eine Intention. Diese Abwesenheit von gezieltem Handeln ist das was wir gemeinhin als Zufall wahrnehmen. Weil es uns willkürlich erscheint und in gewisser Weise natürlich auch ist, wenn es keiner bewussten Entscheidung folgt.“, erklärte er schließlich.
„Sagen wir, um beim Spielen zu bleiben, ich werfe einen Würfel. Ich habe dabei eine Intention. Ich will sehen welche Augenzahl am Ende zu sehen ist. Der Würfel allerdings hat keine, weshalb er mir keine spezielle Augenzahl zeigen kann, sondern nur einen Ausdruck einer Verteilung von Wahrscheinlichkeiten. Wie würden sie einen Würfelwurf bezogen auf das Thema Zufall beschreiben?“
Er hatte nicht erwartet, dass dieses Thema ihn so fesseln würde. Skolem entpuppte sich nicht nur als interessanter Mensch sondern auch als sehr geistreicher Gesprächspartner.

Re: Etwas ist faul im Staate Dänemark [Liam, H.H. Skolem]

Verfasst: Do 22. Jan 2026, 02:31
von H.-H. Skolem
"Nun", beginnt Skolem und fischt eine Münze aus seiner Geldbörse hervor. "Ob nun ein Würfel oder eine Münze - Sie reden ja von einer Gleichverteilung, ob nun 1/6 oder 1/2, die Parameter sind zweitrangig."

Skolem schnippt die Münze nach oben, lässt sie fallen und zeigt Liam das Ergebnis. "Zahl - und die meisten Menschen würden es für Zufall halten."

Dann wirft er sie erneut hoch, fängt sie jedoch im Fall auf und verstaut sie wieder in der Brieftasche. "Die Physik lehrt uns, dass gemäß der Chaostheorie die winzigsten Änderungen in den Anfangsbedingungen Einfluss auf das Ergebnis haben - und so ist es auch. Doch, Mr. Carpenter, stellen Sie sich einmal vor, ich könnte - wohlgemerkt könnte, tatsächlich bin ich selbstverständlich nicht dazu in der Lage, die Münze auf EXAKT die gleiche Weise werfen, wie zuvor. Wenn wahrhaftig ALLE Parameter die gleichen wären - Wurftechnik, Kraftaufwand, Drehmoment, Luftzug durch die umgebenden Menschen, usw. usf. - wenn wahrlich ALLE Parameter gleich wären, würde sie dann nicht erneut Zahl als Ergebnis zeigen?"

Re: Etwas ist faul im Staate Dänemark [Liam, H.H. Skolem]

Verfasst: Fr 23. Jan 2026, 15:19
von Liam Carpenter
Liams Augen folgten Skolems Händen und der Münze, während er sie in die Luft warf um zu sehen auf welcher Seite sie zu liegen kam.
„Okay. Nehmen wir ihren Gedanken und denken ihn weiter und bleiben bei der hypothetischen Idee. Wir sind uns einige, dass wir diese Art von Perfektion und Kontrolle weder herstellen noch ausüben können. Platon wäre stolz auf diesen Konsens.“, philosophierte er weiter.
Er erinnerte sich an die Ideenlehre aus dem Geschichtsunterricht und an die zugrundeliegende Annahme, dass die Welt die Menschen mit ihren Sinnen erfassen und alle Dinge die Menschen erschaffen können immer nur ein unvollkommenes Abbild einer perfekten Idee ist.
„Was machen wir daraus, wenn die Bedingungen für Kopf oder Zahl exakt identisch sind. Welcher Einfluss entscheidet dann auf welche Seite die Münze fällt?“

Re: Etwas ist faul im Staate Dänemark [Liam, H.H. Skolem]

Verfasst: Sa 24. Jan 2026, 01:05
von H.-H. Skolem
"Eben exakt die Parameter, die den Wurf beeinflussen. Wie wir die Münze halten etc." Skolem nimmt noch einen Schluck, leert sein Glas dabei.

"Und natürlich, diese Genauigkeit werden wir nie erreichen. Selbst ein Zollstock misst einen Meter nicht genau. Es gibt immer Abweichungen. Die Frage ist dabei ganz simpel: Was sind wir bereit, an Ungenauigkeit zu tolerieren?"

Skolem greift in sein Jackett, holt einen Kugelschreiber hervor, greift nach dem Bierdeckel unter seinem leeren Glas und macht einen Punkt darauf. Dann reicht er Liam den Stift. "Versuchen Sie, exakt den Punkt erneut zu treffen - es wird nicht gelingen. Die Frage bleibt die selbe: was sind Sie bereit zu tolerieren? Ab wann ist es Ihnen ein "nah dran" genug?"

Er pausiert kurz. "Und wenn man das begriffen hat, dann kann man damit arbeiten. Fehler werden von etwas, in das man viel Energie steckt, um sie zu vermeiden, plötzlich zu etwas wie Korrekturmasse."

Re: Etwas ist faul im Staate Dänemark [Liam, H.H. Skolem]

Verfasst: So 25. Jan 2026, 11:21
von Liam Carpenter
„Und wenn die ebenfalls identisch sind?“, fragte er, während er den Stift entgegennahm. Obwohl ihm der Ausgang der kleinen Demonstration bereits klar war, spielte er mit und versuchte den Punkt auf dem Bierdeckel zu replizieren. Er traf die Stelle einigermaßen genau. Aber alleine durch die Stärke mit der er aufdrückte und den Winkel in der er den Stift anders als Skolem hielt würde der Punkt ein anderer sein.

„Glauben sie an das Übernatürliche?“, fragte er schließlich. Es wirkte im ersten Moment relativ Kontextlos, war es letztendlich aber ganz und gar nicht. Die Art und Weise wie Skolem über Ursache und Wirkung sprach war beinahe wissenschaftlich. Folgten logischen Abfolgen mit wenig Raum für Unerklärliches. Nichts von dem was er gesagt hatte schloss die Existenz des Übernatürlichen aus, aber er war neugierig in wie weit es sich in Skolems zufallsfreie Weltsicht einfügte, wenn es das denn tat. Häufig, nicht immer, taten sehr wissenschaftlich, logisch orientierte Menschen sich mit der Vorstellung des Übernatürlichen schwer.

Er ließ die Miene einschnappen und reichte ihm seinen Stift zurück.

Re: Etwas ist faul im Staate Dänemark [Liam, H.H. Skolem]

Verfasst: So 25. Jan 2026, 16:04
von H.-H. Skolem
Skolem nimmt den Schreiber entgegen und verstaut ihn wieder in seiner Jackettasche. Dann winkt er kurz zur Bedienung und deutet auf sein leeres Glas. Sie nickt kurz zur Bestätigung und geht zurück an die Theke.

Dann setzt er an: "Meiner Ansicht nach gibt es nichts Übernatürliches. Denn letztlich ist alles um uns herum natürlich. Seien es nun die Lebewesen oder auch Sand und Steine. Alles ist Teil der Natur. Ja selbst unsere Computer und Handys sind natürlich, denn sie bestehen aus Materialien, die wir letztlich aus der Umwelt genommen haben. Und sie wurden von uns Menschen, also auch der Natur erdacht. ÜBER-natürlich heißt insbesondere, wenn wir es mal wörtlich betrachten, etwas, was jenseits der Natur ist. Sobald wir so etwas aber wahrnehmen, gehört es wieder zur Natur, da wir als natürliche Lebewesen diese Wahrnehmung haben. Was auch immer Sie sich also an vermeintlich Übernatürlichem ausmalen mögen - es wird dadurch bereits zur Natur."

Die Kellnerin kommt kurz an ihren Tisch, tauscht Skolems leeres Glas gegen ein frisch gefülltes aus.

"Was jenseits der Natur ist, ist nicht brückbar - nicht wahrnehmbar, nicht erkennbar", fährt er fort. "Ich möchte Ihre Frage also wie folgt beantworten: Ich glaube an alles Natürliche." Dabei zwinkert er Liam bedeutungsvoll zu.

Re: Etwas ist faul im Staate Dänemark [Liam, H.H. Skolem]

Verfasst: Mo 26. Jan 2026, 09:08
von Liam Carpenter
Tatsächlich war Skolems Sicht auf die Dinge gar nicht so weit von seiner eigenen entfernt wie er angenommen hatte. Die Verbundenheit aller Dinge im natürlichen Kreislauf von Werden und Vergehen war einer der Grundpfeiler seiner eigenen Weltanschauung.
Wobei er nicht ganz so viel wert auf die semantische Ausgestaltung legte wie sein Gegenüber. Die meisten Dinge scherten sich wenig darum welchen Namen man ihnen gab. Sie waren deswegen nicht weniger wirklich.
„Und wie stehen sie zu Religion? Als Bestatter ist der Umgang damit doch sicherlich Alltag für sie.“
Schließlich war die Tätigkeit an sich ja bereits sehr eng mit Religion und Glauben verbunden. Bestattungsriten und ihre Geschichte waren sehr eng mit einer Jenseitsvorstellung und dem Übertritt dorthin verknüpft. Etwas das in vielen Glaubensvorstellungen durchaus etwas ungreifbares und unerfahrbares für die Lebenden war.

Re: Etwas ist faul im Staate Dänemark [Liam, H.H. Skolem]

Verfasst: Di 27. Jan 2026, 21:12
von H.-H. Skolem
Skolem nimmt einen tiefen Schluck, leert sein glas damit fast vollständig. Dann blickt er Liam ernst an.

"Damit eröffnen sie ein Thema, welches ich weder unbeantwortet lassen kann noch will, Mr. Carpenter. Ferner bin ich mir durchaus bewusst, dass meine Ansicht hierzu kontrovers ist, ich bitte Sie jedoch von Diskussionen abzusehen. Gerne tue ich meine Ansicht kund - möchte aber nicht weiter darüber reden."

Er trinkt den letzten Rest, winkt noch einmal der Kellnerin zum Nachfüllen und setzt dann an:

"Ich persönlich halte nichts, aber auch rein gar nichts von Religion. Egal Ob die klassischen monotheistischen wie Christentum oder Islam, noch fernöstliche wie Buddhismus oder Hinduismus. Religionen nehmen den Menschen ihre Denkkraft, bieten simple, in meinen Augen viel zu simple Lösungen und entmündigen. In meinen Augen benötigt niemand einen oder mehrere Götter, wenn er sich an das Grundprinzip der Humanitas hält, wie Goethe einst formulierte: Edel sei der Mensch, hilfreich und gut."

Die Kellnerin kommt mit der Flasche vorbei, lächelt Skolem zu und gießt noch einmal nach. er nimmt direkt einen großen Schluck.

"Und ein letztes: Sollte es wirklich einen Gott geben, dem ich nach meinem Tod begegne, wird es das erste mal sein, dass ich mich vergesse und ihm eins in seine abscheuliche Visage haue. Der Bibelgott hat Adam und Eva wie Zootiere in einem Gehege gehalten. Ja, sie hatten alles - nur keine Freiheit. Wenn überhaupt, war Luzifer, der Lichtbringer, die Schlange, der einzige, der für uns Menschen gespro9chen hat."

Und Liam spürt es ohne Nachfrage: DAS ist für Skolem nicht verhandelbar.