Hifumi hatte genug Zeit damit verbracht, sich um das Hindernis herum zu tasten. Wenn sie ihren Körper rechtzeitig erreichen wollte, musste sie einen Weg hindurch finden.
Mit dem klaren Ziel ihres eigenen Körpers vor Augen schob Hifumi sich gegen die braunäugige Entität, ihren Entschluss chantend bekräftigend.
"Nam-Myoho-Renge-Kyo, Nam-Myoho-Renge-Kyo, Nam-Myoho-Renge-Kyo..."
In dieser Anderswelt käme es eher auf Willenskraft und Stärke der Persönlichkeit an, weniger auf Muskelkraft und der Stärke des Persönchens, das der physische Körper Hifumis darstellte.
Preparati la bara! [Hifumi, Elena (SL)]
Re: Preparati la bara! [Hifumi, Elena (SL)]
"Auf jeden Winter wird unweigerlich ein Frühling folgen."
- Nichiren
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Re: Preparati la bara! [Hifumi, Elena (SL)]
Hifumi spürte keine körperliche Berührung, als sie sich gegen die braunäugige Gestalt drückte. Was sie aber spürte war, wie die Gestalt in sie fuhr. Es war was passieren musste. Der Zug an Hifumis spirituellen Körper wurde plötzlich enorm. Der silberne Faden, der bisher lose aus ihrer Brust geragt hatte, war nun gespannt wie eine Bogensehne und ohne die Gestalt zwischen sich und ihrem fleischlichen Körper, wurde sie in diesen regelrecht hinein gerissen.
Im selben Moment, in dem dies geschah kehrten viele Dinge zurück. Das Gewicht einer physischen Hülle, ein Herzschlag, eine staubtrockene Kehle, Augen die sich wieder an die Helligkeit gewöhnen mussten, als sie sie wieder aufschlug und nicht zuletzt das dringende Bedürfnis ihre Lungen wieder mit Sauerstoff zu füllen.
Im selben Moment, in dem dies geschah kehrten viele Dinge zurück. Das Gewicht einer physischen Hülle, ein Herzschlag, eine staubtrockene Kehle, Augen die sich wieder an die Helligkeit gewöhnen mussten, als sie sie wieder aufschlug und nicht zuletzt das dringende Bedürfnis ihre Lungen wieder mit Sauerstoff zu füllen.
Re: Preparati la bara! [Hifumi, Elena (SL)]
Dieser Rücksturz in die Körperlichkeit - ja, der ganze Ablauf von Umbrareisen - war ungewohnt für Hifumi. Mit trockener Kehle krächzte sie: "Wasser."
Anstatt loszuplappern und Elena mit Fragen zu bestürmen, war sie erst einmal damit beschäftigt ihre Eindrücke zu verarbeiten und mit ihrem Paradigma in Einklang zu bringen. Was ihr nach dem Rücksturz in ihren Körper nachdrücklich auffiel, war die Gegenwart von Verlangen, die die dreifache stoffliche Welt ausmachte. Verlangen nach Wasser, Verlangen nach Luft, Verlangen nach Gesundheit. Verlangen war die Quelle von Leiden, wie ihre trockene Kehle nachdrücklich bewies. Aber dieses Totenumbra - auch hier musste es Verlangen geben, nur Verlangen anderer Natur. Sie würde darüber tiefer nachdenken und nachforschen müssen.
Anstatt loszuplappern und Elena mit Fragen zu bestürmen, war sie erst einmal damit beschäftigt ihre Eindrücke zu verarbeiten und mit ihrem Paradigma in Einklang zu bringen. Was ihr nach dem Rücksturz in ihren Körper nachdrücklich auffiel, war die Gegenwart von Verlangen, die die dreifache stoffliche Welt ausmachte. Verlangen nach Wasser, Verlangen nach Luft, Verlangen nach Gesundheit. Verlangen war die Quelle von Leiden, wie ihre trockene Kehle nachdrücklich bewies. Aber dieses Totenumbra - auch hier musste es Verlangen geben, nur Verlangen anderer Natur. Sie würde darüber tiefer nachdenken und nachforschen müssen.
"Auf jeden Winter wird unweigerlich ein Frühling folgen."
- Nichiren
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Re: Preparati la bara! [Hifumi, Elena (SL)]
Selbst wenn Hifumi gewollt hätte, würde sie in diesem Moment Elena nicht mit Fragen überhäufen können, denn sie war nicht im selben Raum wie Hifumi. Dafür stand eine Karaffe mit Wasser und ein Glas auf dem Tisch neben dem Sofa, auf welchem Hifumi erwacht war. Vor den Fenstern war es finster. Die Sonne war offenbar noch nicht aufgegangen. Dafür hing der Duft von Rosenholz in der Luft, welcher wohl von einigen Räucherstäbchen ausging, welche ebenfalls in einer Glasschale auf dem Tisch vor sich hin glühten.
Als Hifumi sich aufsetzte, betrat Elena den Raum, allerdings nicht mehr in dem Kimono, in dem sie ihre Schülerin empfangen hatte, sondern in einem schwarzen Seidenbademantel, der mit einem Muster aus Kirschblütenbäumen verziert war. Ihre Haare waren in ein Handtuch gewickelt und tagten wie ein enormer Turban über ihren Kopf. "Ah. Du bist zurück." ihr Ton war förmlich, aber wärmer, als noch vor Hifumis Reise? "Deine Zeit wäre in..." sie blickte auf eine Uhr auf einem Sideboard im Wohnzimmer. "zwei Stunden abgelaufen gewesen. Nun bist du eine wahre Euthanatos." sie lies sich in dem Sessel gegenüber von Hifumi nieder.
Als Hifumi sich aufsetzte, betrat Elena den Raum, allerdings nicht mehr in dem Kimono, in dem sie ihre Schülerin empfangen hatte, sondern in einem schwarzen Seidenbademantel, der mit einem Muster aus Kirschblütenbäumen verziert war. Ihre Haare waren in ein Handtuch gewickelt und tagten wie ein enormer Turban über ihren Kopf. "Ah. Du bist zurück." ihr Ton war förmlich, aber wärmer, als noch vor Hifumis Reise? "Deine Zeit wäre in..." sie blickte auf eine Uhr auf einem Sideboard im Wohnzimmer. "zwei Stunden abgelaufen gewesen. Nun bist du eine wahre Euthanatos." sie lies sich in dem Sessel gegenüber von Hifumi nieder.
Re: Preparati la bara! [Hifumi, Elena (SL)]
Zunächst begierig, dann zurückhaltender machte Hifumi Gebrauch von dem dargebotenen Wasser.
"Ich weiß nicht, wie lange ich 'tot' war - ob zwei Stunden Puffer im Verhältnis zu meiner Reise ins Totenumbra viel oder wenig Zeit gewesen wären.
Aber wenn ich gescheitert wäre - dann wäre diese Inkarnation nicht stark genug gewesen, um eine Chakravanti zu sein, und wäre besser dran gewesen, wiedergeboren zu werden, hoffentlich beflügelt von ihrem gesammelten guten Karma."
Das war nicht nur ein dahergesagter Spruch. Mit ihrer Religiosität war Hifumi sicher nicht weniger todesverachtend als beispielsweise Masamune Kiyoshi, voller Gottvertrauen darauf reinkarniert zu werden.
Ihre Augen hellten sich auf.
"Aber ich bin nicht gescheitert. Auch ich bin nun eine wahre Chakravanti - und ich musste dabei einigen unangenehmen Wahrheiten ins Auge blicken."
Sie war noch nicht bereit, alle Details auszubreiten - sie musste erst einmal ihre Erfahrungen im Totenreich verarbeiten. Aber Elena war die einzige, die diese Erfahrung verstand. Hifumi musste einen Teil ihrer Einsichten abladen, zumindest heute nacht.
"Ich wäre zu sehr eingeengt worden, wenn ich mein Leben so geführt hätte, wie mein Heimattempel es vorsah - als Eheweib und Mutter, submissiv, mich als schwache Ranke am starken Baumstamm meines Gemahls ausrichtend. Ich musste mich davon befreien, um diese Reise zu überleben."
Hifumi nahm einen tiefen Atemzug.
"Und ich bin eine ziemliche Schlampe. Ein anständiges, braves Mädchen, wie die Betschwester zu der ich erzogen wurde - sie würde zurückscheuen vor dem zweiten finanziellen Standbein, das ich mir aufgebaut habe. Würde es mit Erleichterung fallen lassen, nachdem ihr Übertritt zu einem neuen Tempel gelungen ist und sie nicht mehr davon abhängig ist.
Aber ich - ich bin dabei geblieben. Nicht nur wegen dem Geld. Sondern auch, wegen... wegen..."
Sie stockte einen Moment.
"Einige der treuesten und besten Gefolgsfrauen Nichirens waren Schlampen und Dirnen. Und ich fühle mich ihnen näher, als dem Idealbild des guten Eheweibs, das mein alter Tempel mir nahegelegt hatte."
Hifumi senkte ein wenig verschämt den Blick. Ganz überwinden konnte sie ihre anerzogene Geschlechterrolle noch nicht.
"Ich weiß nicht, wie lange ich 'tot' war - ob zwei Stunden Puffer im Verhältnis zu meiner Reise ins Totenumbra viel oder wenig Zeit gewesen wären.
Aber wenn ich gescheitert wäre - dann wäre diese Inkarnation nicht stark genug gewesen, um eine Chakravanti zu sein, und wäre besser dran gewesen, wiedergeboren zu werden, hoffentlich beflügelt von ihrem gesammelten guten Karma."
Das war nicht nur ein dahergesagter Spruch. Mit ihrer Religiosität war Hifumi sicher nicht weniger todesverachtend als beispielsweise Masamune Kiyoshi, voller Gottvertrauen darauf reinkarniert zu werden.
Ihre Augen hellten sich auf.
"Aber ich bin nicht gescheitert. Auch ich bin nun eine wahre Chakravanti - und ich musste dabei einigen unangenehmen Wahrheiten ins Auge blicken."
Sie war noch nicht bereit, alle Details auszubreiten - sie musste erst einmal ihre Erfahrungen im Totenreich verarbeiten. Aber Elena war die einzige, die diese Erfahrung verstand. Hifumi musste einen Teil ihrer Einsichten abladen, zumindest heute nacht.
"Ich wäre zu sehr eingeengt worden, wenn ich mein Leben so geführt hätte, wie mein Heimattempel es vorsah - als Eheweib und Mutter, submissiv, mich als schwache Ranke am starken Baumstamm meines Gemahls ausrichtend. Ich musste mich davon befreien, um diese Reise zu überleben."
Hifumi nahm einen tiefen Atemzug.
"Und ich bin eine ziemliche Schlampe. Ein anständiges, braves Mädchen, wie die Betschwester zu der ich erzogen wurde - sie würde zurückscheuen vor dem zweiten finanziellen Standbein, das ich mir aufgebaut habe. Würde es mit Erleichterung fallen lassen, nachdem ihr Übertritt zu einem neuen Tempel gelungen ist und sie nicht mehr davon abhängig ist.
Aber ich - ich bin dabei geblieben. Nicht nur wegen dem Geld. Sondern auch, wegen... wegen..."
Sie stockte einen Moment.
"Einige der treuesten und besten Gefolgsfrauen Nichirens waren Schlampen und Dirnen. Und ich fühle mich ihnen näher, als dem Idealbild des guten Eheweibs, das mein alter Tempel mir nahegelegt hatte."
Hifumi senkte ein wenig verschämt den Blick. Ganz überwinden konnte sie ihre anerzogene Geschlechterrolle noch nicht.
"Auf jeden Winter wird unweigerlich ein Frühling folgen."
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Re: Preparati la bara! [Hifumi, Elena (SL)]
Elena hörte Hifumi zu ohne eine Miene zu verziehen. Die eisblauen Augen lagen dabei auf der frisch aufgewachten Euthanatos. "Ich bin stolz, dass du offenbar nicht nur den Weg durch das Totenreich, sondern noch einen weiteren Schritt in deinem Weg zu Erleuchtung gegangen bist." Sie schlug ihre Beine übereinander. "Ich möchte das du dieses Erlebnis für dich behältst. Diese Erfahrungen sind so persönlich, dass sie niemanden etwas angehen. Nicht einmal mich. Allerdings..." und sie hob einen Finger. "Bist du keine Schlampe, sondern eine emanzipierte...junge Frau, die sich selbst auslebt. Wenn die Emanzipation sich vielleicht noch etwas zieht." Irgendwie erwartete man am Ende dieser Sätze ein Lächeln oder ein Schmunzeln auf dem Gesicht der Euthanatos. Allerdings blieb dieses Lächeln aus. Trotzdem war der Ton weniger kalt, als noch vor Hifumis Beinahe Tod. "Wir werden morgen mit der Lehre beginnen. Heute solltest du dich noch ausruhen."
Re: Preparati la bara! [Hifumi, Elena (SL)]
"Ich... ich bin doch keine Emanze!" empörte sich Hifumi.
Emanzen waren etwa schlechtes, das hatte man ihr beigebracht, und die ehemaligte Sektiererin wehrte sich gegen diese Zuschreibung. Zu einem anständigen Eheweib taugte sie nicht, das hatte sie eingesehen. Aber als Schlampe und Dirne, da dachte sie von sich immer noch als abhängig von Männern, und passte immer noch in das Frauenbild, das ihr eingeimpft worden war. Und war damit immer noch was besseres als so eine männerhassende Emanze.
Sie beruhigte sich dann ein wenig. "Du hast recht, Elena, ich sollte mich ausruhen. Und die Eindrücke verarbeiten."

Emanzen waren etwa schlechtes, das hatte man ihr beigebracht, und die ehemaligte Sektiererin wehrte sich gegen diese Zuschreibung. Zu einem anständigen Eheweib taugte sie nicht, das hatte sie eingesehen. Aber als Schlampe und Dirne, da dachte sie von sich immer noch als abhängig von Männern, und passte immer noch in das Frauenbild, das ihr eingeimpft worden war. Und war damit immer noch was besseres als so eine männerhassende Emanze.
Sie beruhigte sich dann ein wenig. "Du hast recht, Elena, ich sollte mich ausruhen. Und die Eindrücke verarbeiten."
"Auf jeden Winter wird unweigerlich ein Frühling folgen."
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