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Wilder Beginn des neuen Jahres [Liam, Kele (SL)]

Verfasst: Di 6. Jan 2026, 19:26
von Mystiker
Es war Abend in Seattle. Draußen stürmte und regnete es. Viel mehr als den Regen, welcher die Fenster hinunter lief, konnte Liam draußen gar nicht sehen. Der Wind pfiff um das Gebäude in dem seine WG lag. Er war allein, da sein Mitbewohner noch nicht wieder von seinen Eltern zurück gekehrt war. Diese lebten nicht in Seattle, sondern einige hundert Meilen weiter östlich in einer Kleinstadt, dessen Namen Liam sich noch nie so richtig merken konnte. Er würde vermutlich auch nicht vor nächster Woche zurück kommen. Vorlesungen gab es derzeit ohnehin nicht.

Plötzlich allerdings klopfte es an seiner Tür. Nach wenigen Minuten wiederholte sich das Klopfen und als Liam die Tür öffnete, stand eine junge Dame vor seiner Tür, die er bereits mehrfach getroffen hatte. Sie trug einen langen Fellmantel, sowie einen tropfenden Regenschirm, welcher über ihren linken Arm hing. Am Rechten Arm hatte sie eine kleine Handtasche hängen. Die Füße steckten offensichtlich in Lederstiefeln, die zumindest Wasserdicht schienen, aber modisch mit Absatz waren.

Kele Lächelte. "Hi Liam. Ich hatte gehofft du bist zu Hause. "Können wir unter vier Augen reden?"

Re: Wilder Beginn des neuen Jahres [Liam, Kele (SL)]

Verfasst: Di 6. Jan 2026, 20:14
von Liam Carpenter
Liam blieb einen Moment überrascht in der Tür stehen bevor er mit einem schiefen Lächeln zur Seite trat um sie einzulassen. Um diese Uhrzeit hätte er mit einem Nachbarn gerechnet. Vielleicht Jemandem aus seiner Fachschaft oder Mateo, Maddy oder Press. Kele war… so ziemlich die letzte Person die er vor seiner Tür erwartet hätte.
„Klar. Komm rein. Warte. Ich hole dir ein Handtuch!“
Eilig verschwand er ins Bad um nicht Anwärter für den Titel: der schlechteste Gastgeber der Welt zu werden. Seine Stimme klang durch die zum Flur offene Tür etwas gedämpft.
„Häng deine nassen Sachen einfach an die Garderobe. Den Fliesen macht das nichts.“
Hier im Eingangsbereich gestaltete sich die Einrichtung eher Zweckmäßig. Schuregal, Garderobenhaken, sonst nichts. Beides bereits mit diversen Kleidungsstücken belegt.
„Wir können ins Wohnzimmer gehen. Mein Mitbewohner ist unterwegs.“
Er hielt ihr ein Handtuch entgegen und deutete mit einer Geste geradeaus in den kleinen Wohnraum der neben eine Couchecke mit Fernseher durch eine Art Tresen von einer Küchennische abgetrennt war. Hier war die Atmosphäre schon deutlich wohnlicher, was nicht zuletzt an den zahlreichen Zimmerpflanzen lag die Jemand offensichtlich mit sehr viel Liebe hegte und pflegte. Der Rest war typisch Studentenbude. Alles wirkte ein bisschen zusammengekauft, geschenkt oder geborgt und der Einrichtung fehlte eine klare stilistische Linie. Dafür konnte man sich über Ordnung und Sauberkeit nicht beschweren. Bis auf das Geschirr der letzten Mahlzeit in der Spüle, eine einsame Kaffeetasse auf dem Couchtisch und der dort achtlos hingeworfenen Decke war es aufgeräumt.
„Setz dich. Willst du was trinken?“

Re: Wilder Beginn des neuen Jahres [Liam, Kele (SL)]

Verfasst: Fr 9. Jan 2026, 23:49
von Mystiker
Kele lächelte und trat ein. "Oh Danke. Was für ein Wetter sage ich dir." Als Liam zurück kam, hatte Kele sich den Mantel bereits ausgezogen. Darunter trug sie einen schwarzen Rollkragenpullover und eine schwarze Jeans. Ihre Stiefel hatte sie ebenfalls ausgezogen. Das gereichte Handtuch nutzte sie, um ihre zum Zopf gebunden Haare, etwas zu trocknen.

Im Wohnzimmer sah sie sich kurz um und setzte sich dann aufs Sofa. "Hast du Tee? Auf einen heißen Tee könnte ich jetzt echt glaube ich."
Erst als Liam wieder zurück kam und ihr einen Becher mit dampfenden Tee reichte seufzte sie und lehnte sich auf dem Sofa zurück. Sie schlug ein Bein über das Andere und pustete in den Becher. Dann sah sie Liam an. "Ich bin wegen Mikasi hier. Ich weiß nicht wie gewahr du dich dessen bist was für einen Einfluss dein Auftauchen auf ihn hat. Und auf das Rudel."

Re: Wilder Beginn des neuen Jahres [Liam, Kele (SL)]

Verfasst: Sa 10. Jan 2026, 10:01
von Liam Carpenter
Liam war kein regelmäßiger Teetrinker, hatte jedoch immer welchen zu Hause weil er ihn gerne mit zum Wandern nahm. Tee war einfach praktischer zu händeln als Kaffee, wenn man unterwegs war.
„Ich hoffe, Kräutertee ist okay?“, fragte er, während er den Kessel auf den Herd stellte. Schließlich nahm er auf dem Sofa neben ihr Platz eine eigene dampfende Tasse in den Händen.
Als sie ihm eröffnete, dass sie wegen Mikasi gekommen war zuckte er unwillkürlich zusammen. Dabei hatte er den Eindruck gehabt das letzte Gespräch zwischen ihnen war garnicht sooo schlecht gelaufen. So konnte man sich täuschen.
Ich weiß er hält nicht viel von mir. Es tut mir leid falls das in eurem Rudel zu Konflikten geführt hat.“
Zumindest Kele schien ihm gegenüber keine Abneigung zu hegen und auch die anderen hatten ihn wirklich nett und unerwartet offen aufgenommen.
„Es ist wirklich nicht meine Absicht ihm auf die Nerven zu gehen.“
Er lächelte schief, unsicher was er eigentlich gerade dahinter zu verstecken versuchte. Die Hilflosigkeit die er im Umgang mit dieser Situation empfand, die Scham dass er rein Garnichts in Bezug auf Johns Tod erreicht hatte oder seine komplizierten Gefühle Mikasi gegenüber.
„Oder euch.“
Er drehte die Teetasse einen Moment in den Händen.
„Ich hatte irgendwie gehofft wir könnten eine Ebene finden auf der wir… naja miteinander reden und uns in die Augen sehen können. Aber wenn du meinst, dass ist kontraproduktiv, dann ist das vielleicht nicht der richtige Weg.“
… und dann würden die scheiß Schmetterlinge hoffentlich endlich aus seiner Magengegend ausziehen und aufhören sich gegen die Zwangsräumung zur Wehr zu setzen.

Re: Wilder Beginn des neuen Jahres [Liam, Kele (SL)]

Verfasst: So 18. Jan 2026, 18:05
von Mystiker
"Kräuter ist voll ok." Kele lächelte und nippte an dem heißen Tee, nachdem sie ein wenig gepustet hatte. Schließlich winkte sie ab. "Ach Mikasi ist...wirklich komplizierter, als er sein müsste." sie seufzte. "Aber er hats auch nicht wirklich leicht. Sie deutete mit dem Finger auf Liam. "Auch, wenn Mikasi das ignoriert, glaube nicht ich sehe nicht wie du ihn ansiehst und wie du dich verhältst, wenn du mit ihm zusammen bist. Du bist in ihn verschossen!" stellte sie fest, grinste dabei aber breit.

Sie lehnte sich auf dem Sofa zurück und sah ihn über den Rand des Teebechers hinweg an. Ihre Augen hatten wieder dieses animalische, welches er bereits bei ihrer ersten Begegnung bemerkt hatte. Dort saß ein Raubtier, welches sich dessen auch vollkommen bewusst war. "Ich glaube er mag dich auch. Aber!" und sie hob einen Finger. "Leider kann er das unmöglich zeigen." sie seufzte. "Da kommen unglücklicherweise mehrere Sachen zusammen. Zum einen darf er sich seinem Rudel gegenüber nicht als schwach zeigen, sonst verliert er seinen Respekt als Alpha. Und Liebe zu einem Mann ist für einen Garou problematisch."

Sie trank noch einen tiefen Schluck des Tees, der nun immerhin etwas abgekühlt war. "Wir Garou haben Regeln...Regeln nach denen wir Leben und die uns binden. Diese zu brechen, würde ihn ausschließen und das würde er nicht tun." sie schüttelte mit dem Kopf. "Eine der Regeln ist, dass er Nachwuchs zeugen muss." Sie blickte weiter zu Liam. "Ich denke du siehst das Problem?"

Re: Wilder Beginn des neuen Jahres [Liam, Kele (SL)]

Verfasst: Mo 19. Jan 2026, 14:32
von Liam Carpenter
Liam zuckte ertappt zusammen. Falls sie bis eben noch unsicher gewesen war dann hatte seine Reaktion ihn jetzt auf jeden Fall verraten. War er wirklich so leicht zu durchschauen… offensichtlich. Kurz spielte er mit dem Gedanken das ganze abzustreiten. Durcheinander. Überfordert. Das bedeutete Garnichts. Aber er hatte die Ausrede noch nicht zu Ende formuliert, als er sie bereits wieder fallen ließ. Das würde er sich ja nicht mal selbst glauben.
Stattdessen entschied sich sein Körper dafür erst einmal heftig zu erröten.
„Ist das echt so offensichtlich…“, nuschelte er in seinen Tee. Gerade konnte er ihr nicht ins Gesicht sehen. Dafür spürte er ihren Blick umso deutlicher.
Als sie dann jedoch fallen ließ dass Mikasis möglicherweise Interesse an ihm hatte hob er doch den Kopf. Zu überrascht um weiter verlegen zu sein. Wenn Mikasi ihn mochte, dann hatte er ne echt komische Art das zu zeigen.
Doch mit jedem weiteren Wort skizzierte sie das Bild für ihn etwas klarer. Innerhalb des Stammes hatte er seine Homosexualität, Homosexualität insgesamt, nie als Problem wahrgenommen. Man hatte ihm nie das Gefühl gegeben, dass er anderes, minderwertig oder abstoßend war. Diese Art von Druck war immer von außen gekommen. Dass der als Garou lebende Teil der Duwamish dort andere Maßstäbe ansetzte war im ersten Moment ein sehr befremdlicher Gedanke.
Aus der Sicht eines Wolfsrudels gedacht wurde er irgendwie nachvollziehbarer. Wenn auch irgendwie… abwegig. Außerdem musste er diese Überlegung gegen die nervige Stimme in seinem Kopf durchsetzen die unablässig begeistert wiederholte: Sie hat gesagt er mag dich. Sie hat gesagt er mag dich.
Innerlich schnauzte er sie an die Klappe zu halten. Sie wollte jedoch einfach nicht verstummen.
Schließlich nickte er langsam.
„Das… war mir nicht klar. Ich hab das Thema nie als etwas Problematisches kennengelernt. Nicht innerhalb des Stammes jedenfalls. Aber ich bin eben auch nur ein Mensch. Es war nicht meine Absicht Mikasi irgendwie in Schwierigkeiten zu bringen. Ich dachte das ganze wäre sowieso hoffnungslos einseitig.“

Re: Wilder Beginn des neuen Jahres [Liam, Kele (SL)]

Verfasst: Mo 26. Jan 2026, 12:35
von Mystiker
Kele lachte leise. "Ach Liam. Das ist so offensichtlich, wie der Geruch von Wyrm an einer Wyrmbestie." Sie schüttelte den Kopf. Wahrscheinlich hätte sie ihm auf die Nase getippt, wenn sie näher bei ihm gesessen hätte. "Aber mach dir keine Gedanken. Mikasi ist nicht so Aufmerksam bei sowas. Er ist Krieger...Kämpfer...und hat wirklich geschärfte Sinne, wenn es ums Kämpfen geht. Nur bei Gefühlen ist er...naja...sagen wir teilmöbliert." Sie kicherte. "Hoffentlich erzählst du ihm das nicht."

Sie nahm noch einen Schluck des Tees, bevor sie fortfuhr. "Nunja. Die Litanei verbietet keine Gleichgeschlechtliche Liebe. Aber er wird über kurz oder lang eine Partnerin bekommen, genauso wie ich einen Partner wählen werde, um Kinder zu zeugen. Aber so ist es nunmal. Was die Litanei tatsächlich vollständig verbietet ist körperliche Liebe zwischen zwei Garou." sie seufzte und klopfte Liam auf die Schulter. "Mach dir nicht einen zu großen Kopf. "Aber ich glaube Mikasi braucht...Zeit...und...naja...er kann seine Gefühle nicht zeigen...und Schwäche kann er sich nicht leisten."

Re: Wilder Beginn des neuen Jahres [Liam, Kele (SL)]

Verfasst: Mo 26. Jan 2026, 14:05
von Liam Carpenter
Der Ausdruck: teilmöbliert war ein Diss der beinahe Lontrawürdig war. Natürlich erreichte nichts die Kunstfertigkeit der Königin der spitzen Zunge. Aber der Versuch war beachtenswert und half ihm außerdem dabei sich aus der Grube voll Scham und Verlegenheit zu befreien in der er sich einzugraben begonnen hatte. Emotionale Intelligenz war für viele Männern nicht gerade die größte Stärke.
„Meine Lippen sind versiegelt.“, antwortete er und fügte dann mit einem selbstironischen Lächeln hinzu.
„Indianerehrenwort.“

Dann wurde sein Gesichtsausdruck ernster. Dass die Partnerwahl in der Garougesellschaft derartigen Zwängen unterlegen war empfand er als ziemlich bedrückend. Ein solch kompromissloses Regelwerk verursachte immer auf der einen oder anderen Seite Leid. Dabei dachte er nicht einmal nur an gelichgeschlechtliche Partnerschaften. Was wenn jemand einfach keine Kinder wollte… oder haben konnte. Wie ging so eine Gesellschaft mit Mitgliedern um die durch bewusste Entscheidung oder ohne ihr Zutun diese Erwartungen nicht erfüllen konnten. Er entschied sich allerdings dagegen diese Gedanken auszusprechen. Er wollte Kele nicht das Gefühl geben, dass er sie verurteilte.

„Ich hab nicht vor ihn in die Ecke zu drängen. Ich weiß ich war bei unserem ersten Gespräch ziemlich forsch. Das war nicht… Nachdem ich erwacht war… die ganze Sache mit John…
Ich hatte plötzlich das Gefühl nicht mehr zu wissen wer ich bin und wo ich hingehöre. Der Stamm… und ihr gehört dazu. Ihr seid meine Familie. Und mit dem einen Teil konnte ich plötzlich nicht mehr offen reden und der andere hat mich auf einmal gehasst. Ich wollte einfach wieder Anschluss finden.“

Und ehrlicherweise war er dabei vermutlich nicht besonders behutsam vorgegangen.