Zwischen Festhalten und Loslassen [Masamune, Madison]
Verfasst: Fr 24. Jul 2026, 12:06
Seit ihrem letzten Gespräch mit Masamune verbrachte Maddy mehr Zeit als gewöhnlich im Aunty’s. Es gab immer etwas zu tun. Lieferungen mussten kontrolliert, Tische abgewischt und neue Rezepte ausprobiert werden. Selbst wenn eigentlich alles erledigt war, fand sich noch eine Schublade, die sortiert, oder eine Tasse, die an ihren richtigen Platz gestellt werden konnte.
Die Tagebücher lagen derweil dort, wo Maddy sie zuletzt zurückgelassen hatte. Nicht vergessen und auch nicht absichtlich gemieden – zumindest redete Maddy sich das ein. Ebenso wie sie sich vornahm, sich bei ihren neuen Freunden zu melden, sobald es im Café etwas ruhiger wurde.
Nur wurde es nie ruhig genug – zumindest redete Maddy sich auch das ein.
Vielleicht lag es daran, dass die Dinge, die Maddy in den Tagebüchern suchte, längst nicht mehr nur zwischen beschriebenen Seiten auf sie warteten. Ihre Wahrnehmung hatte sich verändert. Manchmal war es kaum mehr als ein Eindruck, der sich nicht richtig erklären ließ. Ein Gast, dessen Lächeln nicht zu seiner Stimme passte. Eine Berührung, die länger auf ihrer Haut zurückblieb, als sie sollte. Das Gefühl, dass sich in einem Raum etwas verschob, obwohl niemand seinen Platz verlassen hatte.
Früher hätte Maddy solche Momente vermutlich übergangen und als Konsequenz ihrer Überarbeitung gesehen. Inzwischen bemerkte sie sie, und wenn sie einmal etwas bemerkt hatte, konnte sie nur schwer damit aufhören.
Vielleicht war genau das der Grund, warum Maddy an diesem frühen Nachmittag das Aunty’s verließ. Nicht wegen der Tagebücher und auch nicht, um jemanden zu treffen. Sie brauchte nur für eine Weile einen Ort, an dem nichts von ihr verlangte, dass sie funktionierte.
Vielleicht war es genau deshalb, warum Maddy an diesem Tag in den nächsten Bus stieg, ohne sich vorher zu überlegen, wohin sie eigentlich wollte. Sie nahm am Fenster Platz, legte den Kopf an die Scheibe und ließ die Straßen an sich vorbeiziehen, während sich ihre Gedanken immer wieder im Kreis bewegten.
Irgendwann wurden die Häuser weniger und das Grün dichter. Hohe Bäume schoben sich zwischen die Straßen, Äste zogen am Fenster vorbei, und für einen Moment hatte Maddy das seltsame Gefühl, als würde dort draußen etwas auf sie warten.
Es war kein richtiger Gedanke. Nur dieses leise Ziehen, das sich nicht abschütteln ließ.
Als der Bus hielt, stand sie auf, noch bevor sie bewusst entschieden hatte auszusteigen. Auf dem Bürgersteig stand sie erst unschlüssig herum und bemerkte erst dann den Wegweiser zum Seattle Japanese Garden.
Vielleicht war es Zufall.
Vielleicht auch nicht.
Da war es wieder, das leise Ziehen. Ein dünner, unsichtbarer Faden, der an ihr zupfte. Der sie schließlich in den Garten hineinführte.
Vor ihr entfaltete sich eine neue Welt. Unter ihren Füßen knirschte leise der Kies, als Maddy langsam einem gewundenen Pfad folgte. Sie blickte hinauf in die großen Kiefern, ließ ihre Augen über die grünen, zackigen Blätter der Ahornbäume wandern, über die vielen großen Steine, die vermeintlich wahllos platziert worden waren und doch wirkten, als wären sie zentimetergenau arrangiert. Von der Straße drang der Lärm der Stadt nur noch Gedämpft zu ihr. Die Motorengeräusche wurden leiser und Maddy hörte zunehmend den leisen Wind in den Blättern und das Zwitschern der für sie unsichtbaren Vögel in den Bäumen.
Der Garten war nicht groß, aber so geschickt angelegt, dass er auf die Besucher viel größer wirkte. Vielleicht lag es daran, dass die Wege sich durch die Bäume schlängelten und der Blick nicht über den gesamten Park gleiten konnte, sondern immer nur über einzelne Abschnitte. Vielleicht lag es aber auch an der liebevollen Gestaltung und der Ordnung, die man hier an jeder Stelle finden konnte. Sogar die Blätter fielen, als wären sie Teil einer großen Inszenierung.
Maddy spazierte langsam weiter und ließ das kleine, geschlossene Teehaus zu ihrer Linken hinter sich. Zu ihrer Rechten hatte sie nun einen guten Blick auf den Teich in der Mitte des Gartens. Sie blieb stehen und betrachtete die Kois, die in aller Seelenruhe ihre Kreise zogen.
Und erst an dieser Stelle, in diesem Moment, bemerkte sie ihre Anspannung.
Maddy atmete tief durch, erst einmal, dann ein zweites Mal. Die Last, die sie die letzten sechs Monate still auf ihren Schultern getragen hatte, suchte sich einen Weg. Es dauerte einen Moment, bis sie merkte, wie sich ihr Magen zusammenzog, wie sie eine Enge inder Brust spürte und letztendlich, dass sie weinend am Wasser stand. Sie konnte es nicht beenden. Sie konnte die Tränen nicht stoppen. Ihr enges Herz schlug ihr bis in den Hals hinein. Das Gefühl war überwältigend und hatte sie voll im Griff. Und endlich ließ sie los.
Aber Vielleicht war es kein Zusammenbrechen, sondern das erste Mal seit Monaten, dass sie sich selbst nicht länger festhielt.
Die Tagebücher lagen derweil dort, wo Maddy sie zuletzt zurückgelassen hatte. Nicht vergessen und auch nicht absichtlich gemieden – zumindest redete Maddy sich das ein. Ebenso wie sie sich vornahm, sich bei ihren neuen Freunden zu melden, sobald es im Café etwas ruhiger wurde.
Nur wurde es nie ruhig genug – zumindest redete Maddy sich auch das ein.
Vielleicht lag es daran, dass die Dinge, die Maddy in den Tagebüchern suchte, längst nicht mehr nur zwischen beschriebenen Seiten auf sie warteten. Ihre Wahrnehmung hatte sich verändert. Manchmal war es kaum mehr als ein Eindruck, der sich nicht richtig erklären ließ. Ein Gast, dessen Lächeln nicht zu seiner Stimme passte. Eine Berührung, die länger auf ihrer Haut zurückblieb, als sie sollte. Das Gefühl, dass sich in einem Raum etwas verschob, obwohl niemand seinen Platz verlassen hatte.
Früher hätte Maddy solche Momente vermutlich übergangen und als Konsequenz ihrer Überarbeitung gesehen. Inzwischen bemerkte sie sie, und wenn sie einmal etwas bemerkt hatte, konnte sie nur schwer damit aufhören.
Vielleicht war genau das der Grund, warum Maddy an diesem frühen Nachmittag das Aunty’s verließ. Nicht wegen der Tagebücher und auch nicht, um jemanden zu treffen. Sie brauchte nur für eine Weile einen Ort, an dem nichts von ihr verlangte, dass sie funktionierte.
Vielleicht war es genau deshalb, warum Maddy an diesem Tag in den nächsten Bus stieg, ohne sich vorher zu überlegen, wohin sie eigentlich wollte. Sie nahm am Fenster Platz, legte den Kopf an die Scheibe und ließ die Straßen an sich vorbeiziehen, während sich ihre Gedanken immer wieder im Kreis bewegten.
Irgendwann wurden die Häuser weniger und das Grün dichter. Hohe Bäume schoben sich zwischen die Straßen, Äste zogen am Fenster vorbei, und für einen Moment hatte Maddy das seltsame Gefühl, als würde dort draußen etwas auf sie warten.
Es war kein richtiger Gedanke. Nur dieses leise Ziehen, das sich nicht abschütteln ließ.
Als der Bus hielt, stand sie auf, noch bevor sie bewusst entschieden hatte auszusteigen. Auf dem Bürgersteig stand sie erst unschlüssig herum und bemerkte erst dann den Wegweiser zum Seattle Japanese Garden.
Vielleicht war es Zufall.
Vielleicht auch nicht.
Da war es wieder, das leise Ziehen. Ein dünner, unsichtbarer Faden, der an ihr zupfte. Der sie schließlich in den Garten hineinführte.
Vor ihr entfaltete sich eine neue Welt. Unter ihren Füßen knirschte leise der Kies, als Maddy langsam einem gewundenen Pfad folgte. Sie blickte hinauf in die großen Kiefern, ließ ihre Augen über die grünen, zackigen Blätter der Ahornbäume wandern, über die vielen großen Steine, die vermeintlich wahllos platziert worden waren und doch wirkten, als wären sie zentimetergenau arrangiert. Von der Straße drang der Lärm der Stadt nur noch Gedämpft zu ihr. Die Motorengeräusche wurden leiser und Maddy hörte zunehmend den leisen Wind in den Blättern und das Zwitschern der für sie unsichtbaren Vögel in den Bäumen.
Der Garten war nicht groß, aber so geschickt angelegt, dass er auf die Besucher viel größer wirkte. Vielleicht lag es daran, dass die Wege sich durch die Bäume schlängelten und der Blick nicht über den gesamten Park gleiten konnte, sondern immer nur über einzelne Abschnitte. Vielleicht lag es aber auch an der liebevollen Gestaltung und der Ordnung, die man hier an jeder Stelle finden konnte. Sogar die Blätter fielen, als wären sie Teil einer großen Inszenierung.
Maddy spazierte langsam weiter und ließ das kleine, geschlossene Teehaus zu ihrer Linken hinter sich. Zu ihrer Rechten hatte sie nun einen guten Blick auf den Teich in der Mitte des Gartens. Sie blieb stehen und betrachtete die Kois, die in aller Seelenruhe ihre Kreise zogen.
Und erst an dieser Stelle, in diesem Moment, bemerkte sie ihre Anspannung.
Maddy atmete tief durch, erst einmal, dann ein zweites Mal. Die Last, die sie die letzten sechs Monate still auf ihren Schultern getragen hatte, suchte sich einen Weg. Es dauerte einen Moment, bis sie merkte, wie sich ihr Magen zusammenzog, wie sie eine Enge inder Brust spürte und letztendlich, dass sie weinend am Wasser stand. Sie konnte es nicht beenden. Sie konnte die Tränen nicht stoppen. Ihr enges Herz schlug ihr bis in den Hals hinein. Das Gefühl war überwältigend und hatte sie voll im Griff. Und endlich ließ sie los.
Aber Vielleicht war es kein Zusammenbrechen, sondern das erste Mal seit Monaten, dass sie sich selbst nicht länger festhielt.