Mateo steht am Weihnachtsabend in einer der Suppenküchen, die Mavis mit verwaltet. Der Raum ist warm vom Dampf der großen Töpfe, erfüllt von Stimmen, die durcheinander reden, lachen, manchmal auch schweigen. Der Geruch von Suppe und frisch gebackenem Brot hängt schwer in der Luft, und draußen vor den Fenstern glitzert der Frost. Er mußte zugeben, dass das Essen wirklich lecker roch.
Er trägt eine Schürze, die ihm ein wenig zu groß ist, und reicht Teller über die Theke. „Frohe Weihnachten,“ sagt er jedes Mal, und manchmal bekommt er ein Lächeln zurück, manchmal nur ein müdes Nicken. Doch jedes Gesicht, das ihm begegnet, erinnert ihn daran, warum er hier ist: weil niemand allein bleiben sollte, nicht an diesem Abend.
Zwischendurch stimmt er ein Weihnachtslied an. Erst leise, dann kräftiger, als die ersten Stimmen mit einstimmen. Der Klang füllt den Raum, trägt Wärme in die Herzen, auch wenn die Kerzen hier nur aus Neonlicht bestehen. Für einen Moment scheint die Welt stillzustehen, und Mateo spürt, wie die Menschen um ihn herum ein wenig leichter atmen.
Und doch – während er singt, während er Teller ausgibt, während er Hände sieht, die dankbar das Brot entgegennehmen – bleibt in ihm ein leiser Schmerz. Es ist nicht dasselbe wie zuhause. Nicht dasselbe wie Nanays Stimme, die ihn ruft, oder Tatays Lachen, das durch das Haus hallt. Nicht dasselbe wie die Parol, die über der Tür hängt und den Weg weist.
Er freut sich, für andere da zu sein. Er weiß, dass es wichtig ist. Aber tief in ihm bleibt die Sehnsucht nach dem eigenen Tisch, nach dem vertrauten Chaos seiner Familie, nach dem Gefühl, wirklich angekommen zu sein.
Als die letzte Schüssel ausgegeben ist und die Stimmen langsam leiser werden, bleibt Mateo noch einen Moment stehen. Er schaut auf die Menschen, die satt und ein wenig glücklicher wirken. Dann hebt er den Blick zu einem kleinen Stern aus Papier, den jemand über die Tür gehängt hat. Er blinkt schwach, fast unscheinbar – und doch erinnert er ihn an den Stern von Bethlehem, an die Parol seiner Heimat.
Mateo lächelt müde, aber ehrlich. Heute ist er nicht zuhause. Aber vielleicht, denkt er, hat er hier trotzdem ein Stück Weihnachten gefunden – zwischen Suppe, Liedern und einem Stern, der den Weg weist.