Scheiß Technik [Press, Skolem]

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H.-H. Skolem
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Scheiß Technik [Press, Skolem]

Beitrag von H.-H. Skolem »

In einem der vielen Käseblättchen, in denen auch Skolems humorvolle Anzeige zu finden ist (Stichwort Fun ^^) erscheint seit einigen Tagen auch folgendes Inserat:

Gesucht: Technikwizard und Tastaturflüsterer, der Computer nicht wie ich als böse Wesen betrachtet, sondern als … Spielzeuge, die man zähmen kann.

Zu meinen Problemen (ja, da bin ich ehrlich):
- Windows denkt manchmal, es ist im Urlaub
- ich stolpere schonmal gern über das W-Lan Kabel
- Backups existieren vermutlich nur in einer Parallelwelt
- Updates installiere ich aktuell bestenfalls mit geschlossenen Augen in der Hoffnung, dass nichts explodiert

Du bist perfekt geeignet, wenn du:
- weißt, was du tust
- mir alles erklären kannst, ohne dass ich Schuldgefühle bekomme
- bei der Frage "Hähh?" nicht den Raum verlässt
- nicht lachst, wenn ich frage, ob „RAM auch leer werden kann“

Ich biete:
- Kaffee / Wasser / Kekse / Whiskey - vor allem Whiskey
- echte Dankbarkeit
- Bezahlung nach Absprache

Einsatzort: Bestattungshaus Skolem

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Presston Caldwell
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Re: Scheiß Technik [Press, Skolem]

Beitrag von Presston Caldwell »

Das Absperrband hing immer noch da.
Gelb. Ausgeblichen.
Es flatterte, als hätte es den Dienst quittiert.

Press blieb davor stehen.
Zu nah.
Zu still.

„Ach, Junge…“

Die Stimme kam von der Seite.
Mrs. Henderson.
Die Nachbarin von früher.
Immer schon mit zu viel Wärme für einen Tag wie diesen.

Tee.
Kuchen.
Zimt.
Ein Wohnzimmer, das tat, als wäre die Welt noch heil.

Und dann ihr Thema.
Bestattungshaus.
Um die Ecke.
„Skolem“, hatte sie gesagt.

„Die suchen jemanden für Computer.“
„Du kannst das doch.“
„Und die Anzeige ist… witzig.“


Press hatte genickt.
Weil Widersprechen sich falsch anfühlte.
Weil sie es gut meinte.

Jetzt stand er an der Union Street.
Ecke 5th.
Autos rauschten vorbei.
Die Stadt tat so, als wäre das hier nur ein weiterer Freitag.

Es war da.
Unauffällig.
Dunkles Holz.
Saubere Scheiben.

Im Fenster das Plakat.

I PUT THE FUN IN FUNERAL.

Press starrte es an.
Einmal. Zweimal.
Ein Mundwinkel zuckte.

Dann griff er nach der Klinke.
Drückte.
Trat ein.

Er blieb kurz stehen.
So, wie man steht, wenn man nicht sicher ist, ob man „Hallo“ sagen darf.

Er räusperte sich.
Hob die Hand ein wenig.

„Hi… äh…“

Kurze Pause.

„Ich hab die Anzeige gesehen.“

Er schluckte.
Sah kurz weg.
Dann wieder nach vorn.

„Mrs. Henderson meinte, ich soll einfach mal vorbeikommen.“
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H.-H. Skolem
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Re: Scheiß Technik [Press, Skolem]

Beitrag von H.-H. Skolem »

Ein Mann im Bowler und leicht antiquierten Anzug schaut aus einem Gespräch mit einem seiner Mitarbeiter auf und blickt dann in Richtung des Herrn, der da gerade zur Tür hereingekommen war.

"Die Anzeige", lächelt er breit, "ja, die hat schon viele Kunden in unser kleines Bestattungshaus geführt. Er kommt auf ihn zu, reicht ihm die Hand. "Wenn ich mich vorstellen darf? H.-H. Skolem, ich bin der Besitzer und Leiter dieser heiligen Hallen. Und Sie müssen sich gar keine sorgen machen - auch Sie werden bei Ihrer Beerdigung spaß haben."

Dann mustert er den doch etwas beleibteren Herrn langsam von oben bis unten, holt ein Maßband heraus und misst ein paar Eckdaten aus, so wie damals die Totengräber im wilden Westen.

"Keine Angst, guter Mann, wir haben für jeden genau das Richtige. Seit kurzem auch die XXl-Deluxe Sarg-Variante. Schauen Sie nur, wir haben sogar eine Version davon hier ausgestellt.

Ohne eine Antwort abzuwarten führt Skolem den vermeintlichen Kunden durch den Raum zu einem Sarg, der beinahe doppelt so breit ist, wie die anderen dort ausgestellten. "Für besonderen Comfort - denn schließlich ist die Ewigkeit doch etwas anderes als ein 6-Stunden-Flug in der Touristenklasse. Extra fluffig ausgestattet, mit verstärkter Rückenplatte und zusätzlichen Tragegriffen für die Leichenträger. Schauen sie mal, hier sind sogar kleine Flaschenzüge in die Griffmechanik eingearbeitet."

Dann blickt er kurz zu seinem Mitarbeiter und ruft: "Ach, bring uns doch bitte ein paar dieser hervorragenden Kekse von Miss Maddy." Dann, mit einem Blick auf Press: "Kaffee dazu, oder Whiskey?

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Presston Caldwell
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Re: Scheiß Technik [Press, Skolem]

Beitrag von Presston Caldwell »

Press stand da.

Hand noch halb in der Luft.
„Heilige Hallen.“
Beerdigung.
Spaß.

Er lachte einmal kurz.
Zu spät.
Zu leise.
Ihm fehlte die Luft für Humor.

Dann kam die Musterung.

Von oben bis unten.
Langsam.
Wie ein Scanner mit… Urteil.

Das Maßband schnappte auf.
Zack.
Um ihn rum.
Klick.
Zupf.

Press erstarrte.
Wie ein Reh, das plötzlich merkt, dass der Scheinwerfer nicht blinkt.

Er ließ es über sich ergehen.
Arme ein bisschen ab.
Dann wieder hoch.
Dann wieder ab.
Hilflos.
Kooperativ.
Vollkommen falsch.

„Äh…“

Das Maßband zog an seiner Jacke.
Press hielt kurz die Luft an.
Als würde das helfen.

XXL-Deluxe.
Sarg.
„Extra fluffig.“
„Zusätzliche Tragegriffe.“

Press blinzelte.

Hat der… hat der mich gerade fett genannt?

Seine Ohren wurden heiß.
Wangen auch.
Das Lächeln klebte noch da.
Wie ein Sticker, den man nicht mehr abkriegt.

„Oh.“

Er nickte.
Automatisch.
Wie ein Windows-Dialog: OK.

Skolem redete von Flaschenzügen.
Press starrte auf die Tragegriffe.
Dachte an seine letzte Waage.
Und daran, wie gern er gerade unsichtbar wäre.

Er wollte was sagen.
Wirklich.

Er hatte Sätze im Kopf.
Alle gleichzeitig.
Keiner fertig.

Nicht etwa „Sarg“.
Sondern vielmehr „Support“.
Und auf keinen Fall „Ewigkeit“.
Sondern eher „Windows Update“.

Mrs. Henderson hatte „Computer“ gesagt.
Nicht „Comfort-XL“.

Und trotzdem bekam er nur ein:

„Äh…“

In seinem Kopf war rotierte: XXL, Deluxe, Fluffig.

Der Mitarbeiter wurde gerufen.

„Kekse von Miss Maddy.“

Press zuckte zusammen.
Bei dem Namen.
Wurde wieder rot.
Ganz kurz.

Skolem sah ihn an.
Kaffee oder Whiskey?

Press öffnete den Mund.
Schloss ihn wieder.

Whiskey wäre jetzt… verständlich.
Aber es war um elf Uhr morgens ...

Er räusperte sich.

„Kaffee, bitte.“

Und es klang, als hätte er gerade offiziell bestätigt,
dass er zur XXL-Deluxe-Fraktion gehörte.

Er nickte noch einmal.
Zu viel.

„Äh… ja.“

Er hob die Hand.
Halb zum Protest.
Halb zur Kapitulation.

„Also ich… ich bin eigentlich…“

Dann zeigte er auf den Sarg.
Warum auch immer.

„…nicht… also…“

Er stoppte.
Weil sein Gehirn gerade ein Update installierte.
Mit geschlossenen Augen.
In der Hoffnung, dass nichts explodiert.

Press lächelte schief.
Innerlich verletzt.
Äußerlich höflich.

„Schöne… äh… Mechanik.“
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H.-H. Skolem
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Re: Scheiß Technik [Press, Skolem]

Beitrag von H.-H. Skolem »

"Kaffee - kommt sofort." Skolem nickt Barry zu, fügt dann noch an: "Für mich ... du weißt schon."

Während sein Mitarbeiter die Getränke organisiert, redet Skolem weiter auf Press ein: "Hach, es ist immer wieder schön, wenn auch junge Menschen sich frühzeitig mit dem auseinandersetzten, was uns alle irgendwann einmal ereilen wird. Das Gute daran ist nämlich, dass durch rechtzeitige Planung die Finanzierung der eigenen Beerdigung durch einen kleinen monatlichen Beitrag gesichert werden kann. Kommen Sie, ich zeige Ihnen gern unsere Angebote im Büro."

Und während Skolem ihn freundlich, aber doch bestimmt ins Büro führt, erläutert er weiter die Vorteile einer früh geplanten Bestattung. "Stellen Sie sich nur einmal vor: dank frühzeitiger Planung können Sie Ihre eigene Grabrede schreiben. Niemand wird sich auf Ihrem letzten Weg einmischen, niemand, der es meint besser zu wissen als Sie selbst. Denn wer, wenn nicht Sie, weiß, welche Musik gespielt werden soll, unter welchen Akkorden Sie in die feuchte Erde hinabgelassen werden wollen, mit welcher Botschaft Sie diese Welt verlassen wollen. Kein angeblicher Freund, kein buckliger Verwandter wird Dinge sagen, die Sie überhaupt nicht so gesehen haben. Niemand kann Ihnen Worte in den Mund legen - denn seien wir doch einmal ehrlich, und das sagte schon Sartre: Für ihn hat der Tod eines Menschen nur eine Funktion für die anderen, für die Über-lebenden und so ist es nicht der Tod, der auf das gestorbene Subjekt wirkt, sondern die Lebenden, die auf den Toten wirken. Und genau darin besteht für Sartre die Absurdität des Todes: Die Anderen feiern posthum ihren Triumph über den Toten, denn nun sind sie es, die den Sinn seines Lebens diktieren. Derart ausgeliefert hat der Tote einer solchen Vergewaltigung seines vergangenen Da-seins nichts entgegenzusetzen."

Inzwischen sind sie im Büro angekommen und Skolem deutet auf einen Stuhl vor dem Schreibtisch, setzt sich selbst dahinter und schaut auf den Computerbildschirm. Er hämmert ein wenig unbeholfen auf der Maus und Tastatur herum, zieht die Stirn kraus und sagt:

"Bitte entschuldigen Sie, jetzt hat sich dieses dumme Ding schon wieder aufgehangen. Aber Sie wissen ja, wie das ist - Neustart und beten, dass es diesmal länger funktioniert."

Skolem hält den Power-Knopf eine Weile gedrückt, doch nichts geschieht. "Hach, jaja, Kabel, das klappt immer." So kniet er sich unter den Schreibtisch und zieht den Hauptstecker aus dem noch bootenden PC ...

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