Seit ihrem letzten Gespräch mit Masamune verbrachte Maddy mehr Zeit als gewöhnlich im Aunty’s. Es gab immer etwas zu tun. Lieferungen mussten kontrolliert, Tische abgewischt und neue Rezepte ausprobiert werden. Selbst wenn eigentlich alles erledigt war, fand sich noch eine Schublade, die sortiert, oder eine Tasse, die an ihren richtigen Platz gestellt werden konnte.
Die Tagebücher lagen derweil dort, wo Maddy sie zuletzt zurückgelassen hatte. Nicht vergessen und auch nicht absichtlich gemieden – zumindest redete Maddy sich das ein. Ebenso wie sie sich vornahm, sich bei ihren neuen Freunden zu melden, sobald es im Café etwas ruhiger wurde.
Nur wurde es nie ruhig genug – zumindest redete Maddy sich auch das ein.
Vielleicht lag es daran, dass die Dinge, die Maddy in den Tagebüchern suchte, längst nicht mehr nur zwischen beschriebenen Seiten auf sie warteten. Ihre Wahrnehmung hatte sich verändert. Manchmal war es kaum mehr als ein Eindruck, der sich nicht richtig erklären ließ. Ein Gast, dessen Lächeln nicht zu seiner Stimme passte. Eine Berührung, die länger auf ihrer Haut zurückblieb, als sie sollte. Das Gefühl, dass sich in einem Raum etwas verschob, obwohl niemand seinen Platz verlassen hatte.
Früher hätte Maddy solche Momente vermutlich übergangen und als Konsequenz ihrer Überarbeitung gesehen. Inzwischen bemerkte sie sie, und wenn sie einmal etwas bemerkt hatte, konnte sie nur schwer damit aufhören.
Vielleicht war genau das der Grund, warum Maddy an diesem frühen Nachmittag das Aunty’s verließ. Nicht wegen der Tagebücher und auch nicht, um jemanden zu treffen. Sie brauchte nur für eine Weile einen Ort, an dem nichts von ihr verlangte, dass sie funktionierte.
Vielleicht war es genau deshalb, warum Maddy an diesem Tag in den nächsten Bus stieg, ohne sich vorher zu überlegen, wohin sie eigentlich wollte. Sie nahm am Fenster Platz, legte den Kopf an die Scheibe und ließ die Straßen an sich vorbeiziehen, während sich ihre Gedanken immer wieder im Kreis bewegten.
Irgendwann wurden die Häuser weniger und das Grün dichter. Hohe Bäume schoben sich zwischen die Straßen, Äste zogen am Fenster vorbei, und für einen Moment hatte Maddy das seltsame Gefühl, als würde dort draußen etwas auf sie warten.
Es war kein richtiger Gedanke. Nur dieses leise Ziehen, das sich nicht abschütteln ließ.
Als der Bus hielt, stand sie auf, noch bevor sie bewusst entschieden hatte auszusteigen. Auf dem Bürgersteig stand sie erst unschlüssig herum und bemerkte erst dann den Wegweiser zum Seattle Japanese Garden.
Vielleicht war es Zufall.
Vielleicht auch nicht.
Da war es wieder, das leise Ziehen. Ein dünner, unsichtbarer Faden, der an ihr zupfte. Der sie schließlich in den Garten hineinführte.
Vor ihr entfaltete sich eine neue Welt. Unter ihren Füßen knirschte leise der Kies, als Maddy langsam einem gewundenen Pfad folgte. Sie blickte hinauf in die großen Kiefern, ließ ihre Augen über die grünen, zackigen Blätter der Ahornbäume wandern, über die vielen großen Steine, die vermeintlich wahllos platziert worden waren und doch wirkten, als wären sie zentimetergenau arrangiert. Von der Straße drang der Lärm der Stadt nur noch Gedämpft zu ihr. Die Motorengeräusche wurden leiser und Maddy hörte zunehmend den leisen Wind in den Blättern und das Zwitschern der für sie unsichtbaren Vögel in den Bäumen.
Der Garten war nicht groß, aber so geschickt angelegt, dass er auf die Besucher viel größer wirkte. Vielleicht lag es daran, dass die Wege sich durch die Bäume schlängelten und der Blick nicht über den gesamten Park gleiten konnte, sondern immer nur über einzelne Abschnitte. Vielleicht lag es aber auch an der liebevollen Gestaltung und der Ordnung, die man hier an jeder Stelle finden konnte. Sogar die Blätter fielen, als wären sie Teil einer großen Inszenierung.
Maddy spazierte langsam weiter und ließ das kleine, geschlossene Teehaus zu ihrer Linken hinter sich. Zu ihrer Rechten hatte sie nun einen guten Blick auf den Teich in der Mitte des Gartens. Sie blieb stehen und betrachtete die Kois, die in aller Seelenruhe ihre Kreise zogen.
Und erst an dieser Stelle, in diesem Moment, bemerkte sie ihre Anspannung.
Maddy atmete tief durch, erst einmal, dann ein zweites Mal. Die Last, die sie die letzten sechs Monate still auf ihren Schultern getragen hatte, suchte sich einen Weg. Es dauerte einen Moment, bis sie merkte, wie sich ihr Magen zusammenzog, wie sie eine Enge inder Brust spürte und letztendlich, dass sie weinend am Wasser stand. Sie konnte es nicht beenden. Sie konnte die Tränen nicht stoppen. Ihr enges Herz schlug ihr bis in den Hals hinein. Das Gefühl war überwältigend und hatte sie voll im Griff. Und endlich ließ sie los.
Aber Vielleicht war es kein Zusammenbrechen, sondern das erste Mal seit Monaten, dass sie sich selbst nicht länger festhielt.
Zwischen Festhalten und Loslassen [Masamune, Madison]
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Zwischen Festhalten und Loslassen [Masamune, Madison]
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Re: Zwischen Festhalten und Loslassen [Masamune, Madison]
Der Garten erinnerte ihn an seine Heimat – nicht, weil er genauso aussah, sondern weil er dieselbe Ruhe ausstrahlte. Als Masamune den geschwungenen Steinweg entlangging, bemerkte er auf einer Bank am kleinen Teich eine vertraute Gestalt. Es war Madison, eine Bekannte, die er vor einigen Monaten bei einem Kaffee für Magier kennengelernt hatte. Damals begrüßte sie ihn mit einem warmen Lächeln, doch heute saß sie regungslos da. Ihre Schultern zitterten leicht.
Masamune blieb stehen. Er sah, wie sie sich hastig eine Träne aus dem Gesicht wischte, bevor die nächste folgte. Für einen Moment überlegte er, ob er sie allein lassen sollte. Trauer war in Japan etwas persönliches. Etwas, was man alleine oder mit den engsten Familiemitgliedern und Freunden teilte - niemals jedoch öffentlich. Dort hatte er gelernt, dass man die Privatsphäre eines Menschen respektiert, besonders in einem Augenblick der Trauer.
Und doch war Weitergehen keine Option. Eigentlich war Masamune aus anderen Gründen hier. Diese rückten jedoch in den Hintergrund. Sie kannten sich nicht wirklich. Und doch...
Masamune stellte sich ein Stück neben Madison. Nicht zu nah, aber auch nicht so weit weg, dass er nicht wahrgenommen wurde. So, wie er gekleidet war, passte er perfekt in diesen Garten: Anachronistisch zu der schnelllebigen Welt da draußen - Kimono, Hakama, Holzschuhe, hochgesteckte Haare und ein kleines, hölzernes Tragestell auf dem Rücken, an dessen Seite eine ca 2 Meter lange, schmale Stofftasche angebracht war.
Nur das Plätschern des Wassers und das Rascheln der Blätter waren zu hören.
Sein Blick war auf den Teich gerichtet - nicht auf sie. Und doch hob er in dem Moment, als sie ihn bemerkte, seine ihr zugewendete Hand und reichte ein Stofftaschentuch in ihre Richtung, während er sich Madison leicht zudrehte. Noch immer blickte er sie nicht direkt an, sondern auf den Boden neben sie. Er war präsent und doch zugleich bemüht unsichtbar zu sein, damit sie ihre Trauer möglichst ausleben konnte. Wahrscheinlich würde er sich auch zurück ziehen, wenn sie Nichts sagte. Und falls doch, würde er bleiben. Aber die Entscheidung lag ganz alleine bei ihr.
Masamune blieb stehen. Er sah, wie sie sich hastig eine Träne aus dem Gesicht wischte, bevor die nächste folgte. Für einen Moment überlegte er, ob er sie allein lassen sollte. Trauer war in Japan etwas persönliches. Etwas, was man alleine oder mit den engsten Familiemitgliedern und Freunden teilte - niemals jedoch öffentlich. Dort hatte er gelernt, dass man die Privatsphäre eines Menschen respektiert, besonders in einem Augenblick der Trauer.
Und doch war Weitergehen keine Option. Eigentlich war Masamune aus anderen Gründen hier. Diese rückten jedoch in den Hintergrund. Sie kannten sich nicht wirklich. Und doch...
Masamune stellte sich ein Stück neben Madison. Nicht zu nah, aber auch nicht so weit weg, dass er nicht wahrgenommen wurde. So, wie er gekleidet war, passte er perfekt in diesen Garten: Anachronistisch zu der schnelllebigen Welt da draußen - Kimono, Hakama, Holzschuhe, hochgesteckte Haare und ein kleines, hölzernes Tragestell auf dem Rücken, an dessen Seite eine ca 2 Meter lange, schmale Stofftasche angebracht war.
Nur das Plätschern des Wassers und das Rascheln der Blätter waren zu hören.
Sein Blick war auf den Teich gerichtet - nicht auf sie. Und doch hob er in dem Moment, als sie ihn bemerkte, seine ihr zugewendete Hand und reichte ein Stofftaschentuch in ihre Richtung, während er sich Madison leicht zudrehte. Noch immer blickte er sie nicht direkt an, sondern auf den Boden neben sie. Er war präsent und doch zugleich bemüht unsichtbar zu sein, damit sie ihre Trauer möglichst ausleben konnte. Wahrscheinlich würde er sich auch zurück ziehen, wenn sie Nichts sagte. Und falls doch, würde er bleiben. Aber die Entscheidung lag ganz alleine bei ihr.
Täuschung und Schein gleichen dem Traum und die Erleuchtung dem Erwachen daraus. Wer träumt, weiß nicht, dass er träumt. Nur der Erwachte weiß, dass er geträumt hat.
Pu’an
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Re: Zwischen Festhalten und Loslassen [Masamune, Madison]
Maddy bemerkte zuerst nur, dass jemand neben ihr stehen geblieben war. Für einen kurzen Moment nahm sie an, es wäre ein Mitarbeiter des Gartens oder ein regelmäßiger Besucher, dem sie seine Stammbank weggenommen hatte. Vielleicht wollte er sie darauf hinweisen, dass sie hier nicht sitzen durfte.
Der Gedanke allein genügte, um sie hastig mit dem Handrücken über ihre Wangen fahren zu lassen. Eine ziemlich sinnlose Geste. Die Tränen hatten längst ihre Spuren hinterlassen, ihre Augen waren bereits rot gezeichnet und ihr Gesicht fühlte sich heiß und aufgedunsen an.
Erst als sich etwas Helles in ihr Blickfeld schob, sah sie genauer hin - ein Stofftaschentuch.
Maddys Augen folgten der Hand, die es ihr entgegenhielt, langsam nach oben. Die vertraute Kleidung, die Haltung, das Gesicht, das den Blick bewusst abgewandt hielt. Es dauerte einen Moment, bis sie wirklich verstand, wer da neben ihr stand. Sie versuchte die Tränen wegzublinzen, um besser sehen zu können.
„Herr Kiyoshi!“ Sein Name kam leiser über ihre Lippen, als sie beabsichtigt hatte. Ihre Stimme wirkte gebrochen. Ausgerechnet er! Nach ihrem letzten Gespräch hatte sie oft an seine Worte gedacht. An vieles, das sie ihn noch hatte fragen wollen. Nur nicht daran, dass er sie so wiedersehen könnte. Mit geröteten Augen, nassen Wangen und ohne die Möglichkeit, sich hinter einem freundlichen Lächeln oder irgendeiner Aufgabe im Aunty’s zu verstecken.
Ihr Blick sank zurück auf das Taschentuch. Für einen Moment zögerte sie, bevor sie es vorsichtig entgegennahm. „Danke.“ Sie lächelte zaghaft.
Sie tupfte damit über ihre Wangen und Augen, dann wandte sich wieder dem Teich zu. Die Kois zogen unbeirrt ihre Kreise, als hätte sich um sie herum nichts verändert. Als würde die Welt nicht gerade viel zu nah an ihren Nerven liegen. Ihre Finger schlossen sich unbewusst so fest um das zarte Stück Stoff, dass ihre Knöchel weiß wurden.
„Das ist mir gerade wirklich unangenehm“, gab sie schließlich leise zu. Ein weiteres kleines Lächeln huschte über ihre Lippen, erreichte ihre Augen aber nicht. „Ich wollte eigentlich nur ein wenig raus.“
Für einen Moment blieb sie noch sitzen, ohne ihn anzusehen. Dann rückte sie ein Stück zur Seite und schuf neben sich Platz auf der Bank.
„Möchten Sie sich zu mir setzen?“
Der Gedanke allein genügte, um sie hastig mit dem Handrücken über ihre Wangen fahren zu lassen. Eine ziemlich sinnlose Geste. Die Tränen hatten längst ihre Spuren hinterlassen, ihre Augen waren bereits rot gezeichnet und ihr Gesicht fühlte sich heiß und aufgedunsen an.
Erst als sich etwas Helles in ihr Blickfeld schob, sah sie genauer hin - ein Stofftaschentuch.
Maddys Augen folgten der Hand, die es ihr entgegenhielt, langsam nach oben. Die vertraute Kleidung, die Haltung, das Gesicht, das den Blick bewusst abgewandt hielt. Es dauerte einen Moment, bis sie wirklich verstand, wer da neben ihr stand. Sie versuchte die Tränen wegzublinzen, um besser sehen zu können.
„Herr Kiyoshi!“ Sein Name kam leiser über ihre Lippen, als sie beabsichtigt hatte. Ihre Stimme wirkte gebrochen. Ausgerechnet er! Nach ihrem letzten Gespräch hatte sie oft an seine Worte gedacht. An vieles, das sie ihn noch hatte fragen wollen. Nur nicht daran, dass er sie so wiedersehen könnte. Mit geröteten Augen, nassen Wangen und ohne die Möglichkeit, sich hinter einem freundlichen Lächeln oder irgendeiner Aufgabe im Aunty’s zu verstecken.
Ihr Blick sank zurück auf das Taschentuch. Für einen Moment zögerte sie, bevor sie es vorsichtig entgegennahm. „Danke.“ Sie lächelte zaghaft.
Sie tupfte damit über ihre Wangen und Augen, dann wandte sich wieder dem Teich zu. Die Kois zogen unbeirrt ihre Kreise, als hätte sich um sie herum nichts verändert. Als würde die Welt nicht gerade viel zu nah an ihren Nerven liegen. Ihre Finger schlossen sich unbewusst so fest um das zarte Stück Stoff, dass ihre Knöchel weiß wurden.
„Das ist mir gerade wirklich unangenehm“, gab sie schließlich leise zu. Ein weiteres kleines Lächeln huschte über ihre Lippen, erreichte ihre Augen aber nicht. „Ich wollte eigentlich nur ein wenig raus.“
Für einen Moment blieb sie noch sitzen, ohne ihn anzusehen. Dann rückte sie ein Stück zur Seite und schuf neben sich Platz auf der Bank.
„Möchten Sie sich zu mir setzen?“
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Re: Zwischen Festhalten und Loslassen [Masamune, Madison]
Masamune schwieg weiterhin. Nicht abwesend. Er nickte leicht bei dem Dank und auch - etwas tiefer und verständnisvoll - bei ihrer Erklärung. Worte waren an dieser Stelle nicht notwendig.
Erst als sie ihn Einlud sich zu setzen, nachdem sie die Tränen weggewischt hatte, wendete Masamune die Augen etwas höher, um sie anzublicken.
"Gerne. Falls ich nicht störe. Falls doch, werde ich gehen", sprach er nochmal das Angebot aus sie ihre Trauer nicht zu stören.
Doch schließlich setzte er sich, nachdem er den Rucksack neben die Bank abgestellt hatte. Er blickte zum See und betrachtete die Kois. Wieder Schweigend. Eine tröstende Ruhe.
"Als mein Vater starb, sagte meine Mutter mir, dass Trauer wie Wasser sei. Man kann sie nicht festhalten... sie muss fließen. Sonst ertrinken wir in ihr."
Erst als sie ihn Einlud sich zu setzen, nachdem sie die Tränen weggewischt hatte, wendete Masamune die Augen etwas höher, um sie anzublicken.
"Gerne. Falls ich nicht störe. Falls doch, werde ich gehen", sprach er nochmal das Angebot aus sie ihre Trauer nicht zu stören.
Doch schließlich setzte er sich, nachdem er den Rucksack neben die Bank abgestellt hatte. Er blickte zum See und betrachtete die Kois. Wieder Schweigend. Eine tröstende Ruhe.
"Als mein Vater starb, sagte meine Mutter mir, dass Trauer wie Wasser sei. Man kann sie nicht festhalten... sie muss fließen. Sonst ertrinken wir in ihr."
Täuschung und Schein gleichen dem Traum und die Erleuchtung dem Erwachen daraus. Wer träumt, weiß nicht, dass er träumt. Nur der Erwachte weiß, dass er geträumt hat.
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- Madison Reid
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Re: Zwischen Festhalten und Loslassen [Masamune, Madison]
Maddy bemerkte aus dem Augenwinkel, wie Masamune seinen Rucksack neben der Bank abstellte und sich zu ihr setzte. Einen Moment lang hatte sie das Bedürfnis, ihm zu versichern, dass er nicht störte. Dass sie ihn schließlich selbst gebeten hatte zu bleiben. Doch die Worte fanden nicht den Weg über ihre Lippen und vielleicht war es auch gar nicht notwendig. Seine Anwesenheit fühlte sich nicht wie eine Frage an, auf die sie eine schnelle Antwort geben musste.
Gemeinsam blickten sie auf den Teich. Die Kois glitten noch immer lautlos durch das Wasser, verschwanden zwischen den Spiegelungen der Bäume und tauchten an anderer Stelle wieder auf. Maddy versuchte sich auf ihre gleichmäßigen Bewegungen zu konzentrieren, sich zu beruhigen. Doch bei seinen Worten schlossen sich ihre Finger erneut fester um das Taschentuch.
Trauer war wie Wasser.
Maddy senkte den Blick auf den zerknitterten Stoff zwischen ihren Händen. Die Tränen liefen längst nicht mehr so unaufhaltsam über ihre Wangen, aber das enge Gefühl in ihrer Brust blieb. Als hätte sich dort über Monate etwas angesammelt, das nun nicht wusste, wohin es sollte.
„Dann habe ich vermutlich ziemlich lange versucht, einen Damm zu bauen“, sagte sie schließlich leise.
Ein schwaches Lächeln lag auf ihren Lippen, doch es war nicht wirklich fröhlich. Sie atmete noch einmal tief ein und ließ die Luft langsam wieder entweichen.
„Ihre Mutter klingt nach einer sehr klugen Frau.“
Dann senkte Maddy den Blick wieder auf das Taschentuch in ihren Händen.
„Ich dachte, ich hätte gelernt, damit umzugehen. Meine Tante wusste, dass sie sterben würde. Sie hat mich vorbereitet. Zumindest hat sie es versucht.“ Maddy strich mit dem Daumen über einen Zipfel des Taschentuchs. „Und danach gab es so viel zu tun, dass ich einfach weitergemacht habe. Das Café eröffnen. Rechnungen bezahlen. Dafür sorgen, dass alles funktioniert.“
Doch selbst während sie sprach, merkte sie, dass es nicht nur Grace war. Nicht nur ihr Tod und die Leere, die sie hinterlassen hatte.
„Ich glaube, ich trauere auch um die Zeit danach.“
Ihre Finger schlossen sich ein wenig fester um das Taschentuch.
„Seit Monaten versuche ich zu verstehen, was mit mir passiert ist. Was diese neue Welt von mir will und wie ich mich darin zurechtfinden soll.“ Sie hielt kurz inne und sah wieder hinaus auf den Teich. „Aber ich komme nicht weiter. Zumindest fühlt es sich so an.“
Unter der Wasseroberfläche schob sich ein heller Koi zwischen zwei dunkleren hindurch und verschwand unter den Spiegelungen der Bäume.
„Dabei verändert sich trotzdem etwas.“ Ihre Stimme wurde leiser. „Ich nehme Dinge wahr, die vorher nicht da waren. Oder die ich vorher nicht bemerkt habe. Manchmal sind es nur Kleinigkeiten. Ein Gefühl. Eine Berührung. Etwas, das nicht zu dem passt, was ich sehe.“
Maddy schluckte und ließ den Blick über den Teich wandern. „Und ich weiß nicht, was ich damit anfangen soll.“
Ihre Finger strichen noch immer langsam über den Stoff des Taschentuchs. „Ich möchte verstehen, was mit mir geschieht. Aber ich weiß nicht, wo ich anfangen soll. Was wichtig ist. Was ich ausprobieren darf. Oder woran ich überhaupt erkenne, ob ich auf dem richtigen Weg bin.“
Für einen Moment schwieg sie. „Es ist, als würde sich eine Tür nach der anderen öffnen, aber niemand hat mir gezeigt, wie man hindurchgeht.“
Jetzt sah sie Masamune von der Seite an. „Und je mehr ich bemerke, desto größer wird die Angst, etwas falsch zu machen.“
Gemeinsam blickten sie auf den Teich. Die Kois glitten noch immer lautlos durch das Wasser, verschwanden zwischen den Spiegelungen der Bäume und tauchten an anderer Stelle wieder auf. Maddy versuchte sich auf ihre gleichmäßigen Bewegungen zu konzentrieren, sich zu beruhigen. Doch bei seinen Worten schlossen sich ihre Finger erneut fester um das Taschentuch.
Trauer war wie Wasser.
Maddy senkte den Blick auf den zerknitterten Stoff zwischen ihren Händen. Die Tränen liefen längst nicht mehr so unaufhaltsam über ihre Wangen, aber das enge Gefühl in ihrer Brust blieb. Als hätte sich dort über Monate etwas angesammelt, das nun nicht wusste, wohin es sollte.
„Dann habe ich vermutlich ziemlich lange versucht, einen Damm zu bauen“, sagte sie schließlich leise.
Ein schwaches Lächeln lag auf ihren Lippen, doch es war nicht wirklich fröhlich. Sie atmete noch einmal tief ein und ließ die Luft langsam wieder entweichen.
„Ihre Mutter klingt nach einer sehr klugen Frau.“
Dann senkte Maddy den Blick wieder auf das Taschentuch in ihren Händen.
„Ich dachte, ich hätte gelernt, damit umzugehen. Meine Tante wusste, dass sie sterben würde. Sie hat mich vorbereitet. Zumindest hat sie es versucht.“ Maddy strich mit dem Daumen über einen Zipfel des Taschentuchs. „Und danach gab es so viel zu tun, dass ich einfach weitergemacht habe. Das Café eröffnen. Rechnungen bezahlen. Dafür sorgen, dass alles funktioniert.“
Doch selbst während sie sprach, merkte sie, dass es nicht nur Grace war. Nicht nur ihr Tod und die Leere, die sie hinterlassen hatte.
„Ich glaube, ich trauere auch um die Zeit danach.“
Ihre Finger schlossen sich ein wenig fester um das Taschentuch.
„Seit Monaten versuche ich zu verstehen, was mit mir passiert ist. Was diese neue Welt von mir will und wie ich mich darin zurechtfinden soll.“ Sie hielt kurz inne und sah wieder hinaus auf den Teich. „Aber ich komme nicht weiter. Zumindest fühlt es sich so an.“
Unter der Wasseroberfläche schob sich ein heller Koi zwischen zwei dunkleren hindurch und verschwand unter den Spiegelungen der Bäume.
„Dabei verändert sich trotzdem etwas.“ Ihre Stimme wurde leiser. „Ich nehme Dinge wahr, die vorher nicht da waren. Oder die ich vorher nicht bemerkt habe. Manchmal sind es nur Kleinigkeiten. Ein Gefühl. Eine Berührung. Etwas, das nicht zu dem passt, was ich sehe.“
Maddy schluckte und ließ den Blick über den Teich wandern. „Und ich weiß nicht, was ich damit anfangen soll.“
Ihre Finger strichen noch immer langsam über den Stoff des Taschentuchs. „Ich möchte verstehen, was mit mir geschieht. Aber ich weiß nicht, wo ich anfangen soll. Was wichtig ist. Was ich ausprobieren darf. Oder woran ich überhaupt erkenne, ob ich auf dem richtigen Weg bin.“
Für einen Moment schwieg sie. „Es ist, als würde sich eine Tür nach der anderen öffnen, aber niemand hat mir gezeigt, wie man hindurchgeht.“
Jetzt sah sie Masamune von der Seite an. „Und je mehr ich bemerke, desto größer wird die Angst, etwas falsch zu machen.“
Zuerst Kaffee. Die Welt retten wir später. (C.George)
Re: Zwischen Festhalten und Loslassen [Masamune, Madison]
"Ist sie...", sagte er mit einem sanften Lächeln, nach der Aussage über seine Mutter. Dann hörte er wieder schweigend zu. Dabei gab er sich Mühe nicht den Eindruck zu erwecken mit der Situation überfordert zu sein. Es war im Grunde auch gar nicht die Trauer an sich. Mit dieser kam er klar. Vielmehr, war es die Öffentlichkeit in der sie sich befanden. Aber Masamune beschloss, dass es Maddys Wahl war - und das half ihm sie dabei zu begleiten. Er wusste auch, dass man manchmal nicht denjenigen brauchte, der mit vielen Worten versuchte die Dinge schön zu reden - oder die Trauer klein zu machen. Oftmals brauchte man nur jemanden, der mit einem durch das Tal der Stille ging, damit man sich nicht alleine fühlte.
"... man, kann sich nicht drauf vorbereiten. Der Moment des Todes verändert Alles. Und der Schmerz des Verlustes... ... wird ein ständiger Begleiter, der sich zwar im Laufe der Zeit verändert, aber nie verschwindet. Es wird irgendwann leichter. Wichtig ist nur, dass man sich die Zeit nimmt zu trauern."
Ein Ahornblatt fiel vom Baum und landete auf dem Wasser, vertrieb für einen kurzen Moment die Kois, welche jedoch nach wenigen Sekunden wieder mutig aufstiegen.
"Für mich klingt es so, als hätten Sie einen zweiten Damm errichtet. Der Zweite staut die Angst vor dem Neuen und blockiert, dass Sie einen Anfang finden."
Es war das erste Mal, dass Masamune ihr direkt in die Augen blickte. Dabei lächelte er aufbauend.
"Dabei ist die Frage womit Sie anfangen gar nicht wichtig. Auch, ob sie auf dem richtigen Weg sind, ist erstmal zweitranging. Wichtig ist vor Allem, dass sie anfangen. Sie spüren die neuen Eindrücke? Das ist gut. Versuchen Sie sich darauf zu konzentrieren und sie fest zu halten. Und, wenn sie verstanden haben, was sie da fühlen und, was sie dafür getan haben, versuchen sie dieses Gefühl bewusst bei anderen Personen oder Gegenständen zu erzeugen. Und vor Allem: Machen sie sich bewusst, dass sie nicht alleine sind: Sie kennen einige Magier. Jeder von uns hat andere Herangehensweisen und kann ihnen sicher zumindest diese erklären. Beobachten Sie. Reden Sie. Dann sind sie ganz sicher auf dem richtigen Weg, Reid-san."
Er zuckte leicht mit den Schultern und blickte zu dem Ahornblatt, was von der Strömung mit getrieben wurde.
"Und etwas falsch zu machen... gehört ebenfalls dazu. Ich bin heute hier, um eine neue Technik zu lernen. Und... ich bin mir sicher, dass ich wieder Fehler machen werde. Vielleicht klappt es am Ende... vielleicht mache ich auch genug falsch, um daraus zu lernen und morgen den richtigen Weg zu finden das zu erreichen, was ich erreichen will. Magie ist vieles... aber kein Extrem aus dem einen richtigen oder vielen falschen Weg. Oftmals führen die Fehler zu einer von vielen richtigen Lösungen."
Als das Ahornblatt unter der Brücke verschwindet, richtet Masamune die Augen wieder auf Maddy.
"Ich würde ihnen anbieten mich nachher zu begleiten - sobald es ihnen etwas besser geht. Beim letzten Mal haben wir über die Sphären gesprochen. Ich könnte ihnen meine Art der Magie zeigen. Um die Weisheit meiner Mutter aufzugreifen: Ich denke, dass auch Angst, wie Wasser ist. Vielleicht kann ich ihnen dabei helfen die ihre fließen zu lassen und nicht an ihr festzuhalten."
"... man, kann sich nicht drauf vorbereiten. Der Moment des Todes verändert Alles. Und der Schmerz des Verlustes... ... wird ein ständiger Begleiter, der sich zwar im Laufe der Zeit verändert, aber nie verschwindet. Es wird irgendwann leichter. Wichtig ist nur, dass man sich die Zeit nimmt zu trauern."
Ein Ahornblatt fiel vom Baum und landete auf dem Wasser, vertrieb für einen kurzen Moment die Kois, welche jedoch nach wenigen Sekunden wieder mutig aufstiegen.
"Für mich klingt es so, als hätten Sie einen zweiten Damm errichtet. Der Zweite staut die Angst vor dem Neuen und blockiert, dass Sie einen Anfang finden."
Es war das erste Mal, dass Masamune ihr direkt in die Augen blickte. Dabei lächelte er aufbauend.
"Dabei ist die Frage womit Sie anfangen gar nicht wichtig. Auch, ob sie auf dem richtigen Weg sind, ist erstmal zweitranging. Wichtig ist vor Allem, dass sie anfangen. Sie spüren die neuen Eindrücke? Das ist gut. Versuchen Sie sich darauf zu konzentrieren und sie fest zu halten. Und, wenn sie verstanden haben, was sie da fühlen und, was sie dafür getan haben, versuchen sie dieses Gefühl bewusst bei anderen Personen oder Gegenständen zu erzeugen. Und vor Allem: Machen sie sich bewusst, dass sie nicht alleine sind: Sie kennen einige Magier. Jeder von uns hat andere Herangehensweisen und kann ihnen sicher zumindest diese erklären. Beobachten Sie. Reden Sie. Dann sind sie ganz sicher auf dem richtigen Weg, Reid-san."
Er zuckte leicht mit den Schultern und blickte zu dem Ahornblatt, was von der Strömung mit getrieben wurde.
"Und etwas falsch zu machen... gehört ebenfalls dazu. Ich bin heute hier, um eine neue Technik zu lernen. Und... ich bin mir sicher, dass ich wieder Fehler machen werde. Vielleicht klappt es am Ende... vielleicht mache ich auch genug falsch, um daraus zu lernen und morgen den richtigen Weg zu finden das zu erreichen, was ich erreichen will. Magie ist vieles... aber kein Extrem aus dem einen richtigen oder vielen falschen Weg. Oftmals führen die Fehler zu einer von vielen richtigen Lösungen."
Als das Ahornblatt unter der Brücke verschwindet, richtet Masamune die Augen wieder auf Maddy.
"Ich würde ihnen anbieten mich nachher zu begleiten - sobald es ihnen etwas besser geht. Beim letzten Mal haben wir über die Sphären gesprochen. Ich könnte ihnen meine Art der Magie zeigen. Um die Weisheit meiner Mutter aufzugreifen: Ich denke, dass auch Angst, wie Wasser ist. Vielleicht kann ich ihnen dabei helfen die ihre fließen zu lassen und nicht an ihr festzuhalten."
Täuschung und Schein gleichen dem Traum und die Erleuchtung dem Erwachen daraus. Wer träumt, weiß nicht, dass er träumt. Nur der Erwachte weiß, dass er geträumt hat.
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- Madison Reid
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- Registriert: Fr 19. Jul 2024, 10:18
Re: Zwischen Festhalten und Loslassen [Masamune, Madison]
Maddy hielt seinem Blick für einen Moment stand. Vielleicht war es das sanfte Lächeln. Vielleicht die Ruhe, mit der er sprach, ohne ihre Angst kleinzureden oder ihr vorschnell eine Lösung aufzudrängen. Vielleicht war es aber auch einfach die Gewissheit, dass Masamune selbst nicht so tat, als würden Fehler irgendwann aufhören.
Etwas in ihr löste sich.
Nicht vollständig. Die Enge in ihrer Brust war noch da, ebenso die Müdigkeit der vergangenen Monate. Doch sie fühlte sich nicht mehr so erdrückend an. Masamunes Worte drängten sie zu nichts. Sie lagen zwischen ihnen wie die Steine im Garten. Fest genug, um sich daran zu orientieren, aber weit genug voneinander entfernt, dass Maddy ihren eigenen Schritt setzen konnte.
Ihr Blick folgte dem Ahornblatt, bis es unter der Brücke verschwand.
<... Anfangen....>
Nicht wissen, ob es der richtige Weg war. Nicht darauf warten, dass sich vorher alle Fragen beantworteten. Nur einen ersten Schritt machen und sehen, wohin er führte. Es klang so einfach, dass Maddy beinahe darüber gelacht hätte. Stattdessen erschien ein kleines Lächeln auf ihren Lippen. Diesmal erreichte es zumindest den Rand ihrer Augen.
„Vielleicht habe ich die ganze Zeit darauf gewartet, dass mir jemand sagt, wie ich es richtig mache“, sagte sie leise. „Und dabei vergessen, dass ich überhaupt erst einmal etwas tun muss.“
Ihre Finger lockerten sich um das Taschentuch. Behutsam strich sie den zerknitterten Stoff glatt, obwohl sich die Falten nicht vollständig entfernen ließen.
„Ich glaube, ich habe mich ziemlich gut darin eingerichtet, alles nur zu beobachten.“ Maddy sah wieder auf den Teich hinaus. „Solange ich nichts versuche, kann ich schließlich auch nichts falsch machen.“
Der Gedanke klang ausgesprochen wesentlich weniger vernünftig, als er sich in ihrem Kopf all die Monate angefühlt hatte.
Sie atmete tief ein. Die Luft roch nach feuchter Erde, Wasser und den Bäumen, die sie umgaben. Zum ersten Mal, seit sie den Garten betreten hatte, fühlte es sich nicht an, als müsste sie gegen etwas ankämpfen.
„Aber so komme ich vermutlich auch nirgendwohin.“
Langsam wandte sie sich Masamune wieder zu. Die Unsicherheit war noch immer in ihrem Blick zu erkennen, doch darunter lag etwas Neues. Vorsichtig und noch viel zu klein, um es Zuversicht zu nennen. Aber vielleicht war es ein Anfang davon.
Sein Angebot überraschte sie trotzdem. Für einen Moment blieb Maddy still und suchte in seinem Gesicht nach einem Grund, weshalb sie ablehnen sollte. Nach einer unausgesprochenen Erwartung oder einer Aufgabe, der sie nicht gewachsen war. Sie fand nichts davon. Nur dieselbe Ruhe, die er die ganze Zeit ausgestrahlt hatte.
„Ich würde Sie gerne begleiten“, antwortete sie schließlich. Ihre Stimme war noch leise, aber nicht mehr gebrochen.
Trotzdem blieb ein unangenehmes Gefühl zurück. Nicht, weil sie sein Angebot nicht annehmen wollte, sondern weil vieles von dem, was er sagte, so naheliegend klang. Schon bei ihrem letzten Treffen hatte Masamune sich Zeit genommen, ihr die Sphären zu erklären, ihr von unterschiedlichen Wegen zur Magie erzählt und sogar angeboten, gemeinsam mit ihr nach Antworten zu suchen. Nun riet er ihr wieder, zu beobachten, Fragen zu stellen, ihre neuen Eindrücke festzuhalten und sich nicht davor zu fürchten, etwas auszuprobieren. Maddy hatte all diese Hinweise gehört. Sie hatte sogar gewusst, dass sie dabei nicht allein sein musste, und sich trotzdem über Monate in das Aunty’s und ihre vertrauten Aufgaben zurückgezogen. Der Gedanke ließ sie sich beinahe töricht vorkommen. Nicht, weil sie nichts verstanden hatte, sondern weil sie so lange nach einem richtigen Anfang gesucht hatte, obwohl Masamune ihr bereits beim letzten Mal die Hand dafür gereicht hatte.
Nach einer kurzen Weile fügte sie hinzu: "Und ich möchte lernen!" Als würden diese Worte alles sagen, was notwendig gewesen wäre. Dieses Mal erreichte das Lächeln wieder Maddys Augen und sie blickte Masamune dankbar an. "Danke!"
Etwas in ihr löste sich.
Nicht vollständig. Die Enge in ihrer Brust war noch da, ebenso die Müdigkeit der vergangenen Monate. Doch sie fühlte sich nicht mehr so erdrückend an. Masamunes Worte drängten sie zu nichts. Sie lagen zwischen ihnen wie die Steine im Garten. Fest genug, um sich daran zu orientieren, aber weit genug voneinander entfernt, dass Maddy ihren eigenen Schritt setzen konnte.
Ihr Blick folgte dem Ahornblatt, bis es unter der Brücke verschwand.
<... Anfangen....>
Nicht wissen, ob es der richtige Weg war. Nicht darauf warten, dass sich vorher alle Fragen beantworteten. Nur einen ersten Schritt machen und sehen, wohin er führte. Es klang so einfach, dass Maddy beinahe darüber gelacht hätte. Stattdessen erschien ein kleines Lächeln auf ihren Lippen. Diesmal erreichte es zumindest den Rand ihrer Augen.
„Vielleicht habe ich die ganze Zeit darauf gewartet, dass mir jemand sagt, wie ich es richtig mache“, sagte sie leise. „Und dabei vergessen, dass ich überhaupt erst einmal etwas tun muss.“
Ihre Finger lockerten sich um das Taschentuch. Behutsam strich sie den zerknitterten Stoff glatt, obwohl sich die Falten nicht vollständig entfernen ließen.
„Ich glaube, ich habe mich ziemlich gut darin eingerichtet, alles nur zu beobachten.“ Maddy sah wieder auf den Teich hinaus. „Solange ich nichts versuche, kann ich schließlich auch nichts falsch machen.“
Der Gedanke klang ausgesprochen wesentlich weniger vernünftig, als er sich in ihrem Kopf all die Monate angefühlt hatte.
Sie atmete tief ein. Die Luft roch nach feuchter Erde, Wasser und den Bäumen, die sie umgaben. Zum ersten Mal, seit sie den Garten betreten hatte, fühlte es sich nicht an, als müsste sie gegen etwas ankämpfen.
„Aber so komme ich vermutlich auch nirgendwohin.“
Langsam wandte sie sich Masamune wieder zu. Die Unsicherheit war noch immer in ihrem Blick zu erkennen, doch darunter lag etwas Neues. Vorsichtig und noch viel zu klein, um es Zuversicht zu nennen. Aber vielleicht war es ein Anfang davon.
Sein Angebot überraschte sie trotzdem. Für einen Moment blieb Maddy still und suchte in seinem Gesicht nach einem Grund, weshalb sie ablehnen sollte. Nach einer unausgesprochenen Erwartung oder einer Aufgabe, der sie nicht gewachsen war. Sie fand nichts davon. Nur dieselbe Ruhe, die er die ganze Zeit ausgestrahlt hatte.
„Ich würde Sie gerne begleiten“, antwortete sie schließlich. Ihre Stimme war noch leise, aber nicht mehr gebrochen.
Trotzdem blieb ein unangenehmes Gefühl zurück. Nicht, weil sie sein Angebot nicht annehmen wollte, sondern weil vieles von dem, was er sagte, so naheliegend klang. Schon bei ihrem letzten Treffen hatte Masamune sich Zeit genommen, ihr die Sphären zu erklären, ihr von unterschiedlichen Wegen zur Magie erzählt und sogar angeboten, gemeinsam mit ihr nach Antworten zu suchen. Nun riet er ihr wieder, zu beobachten, Fragen zu stellen, ihre neuen Eindrücke festzuhalten und sich nicht davor zu fürchten, etwas auszuprobieren. Maddy hatte all diese Hinweise gehört. Sie hatte sogar gewusst, dass sie dabei nicht allein sein musste, und sich trotzdem über Monate in das Aunty’s und ihre vertrauten Aufgaben zurückgezogen. Der Gedanke ließ sie sich beinahe töricht vorkommen. Nicht, weil sie nichts verstanden hatte, sondern weil sie so lange nach einem richtigen Anfang gesucht hatte, obwohl Masamune ihr bereits beim letzten Mal die Hand dafür gereicht hatte.
Nach einer kurzen Weile fügte sie hinzu: "Und ich möchte lernen!" Als würden diese Worte alles sagen, was notwendig gewesen wäre. Dieses Mal erreichte das Lächeln wieder Maddys Augen und sie blickte Masamune dankbar an. "Danke!"
Zuerst Kaffee. Die Welt retten wir später. (C.George)
Re: Zwischen Festhalten und Loslassen [Masamune, Madison]
Der Samurai erwiderte das Lächeln. Und ihre Antwort genügte, damit er sich langsam von der Bank erhob. In aller Ruhe nahm er den Rucksack wieder auf seinen Rücken. Schließlich drehte er sich zu Maddy um und deutete auf den Weg.
"In meiner Heimat gibt es ein Sprichwort..." Die Wahrheit war wohl eher so, dass es in Japan zu jeder erdenklichen Lebenssituation mindestens 15 verschiedene Sprichwörter gab. "'Selbst die längste Reise beginnt mit einem ersten Schritt.'. Dort drüben steht ein Pavillon. Er ist etwas abgelegen und ich nutze ihn gerne für Übungen."
Als sie aufbrachen verschränkte der Japaner die Hände hinter dem Rücken und fand schnell einen gleichmäßigen Schritt. Selbst normales Gehen schien bei Masamune etwas Meditatives an sich zu haben. Jeder Schritt war bewusst gesetzt. Der besagte Pavillon war schon in Sichtweite, sodass nicht wirklich Zeit für ein Gespräch blieb.
"Ich freue mich, dass sie entschieden haben diesen ersten Schritt zu gehen, Reid-san."
Am Pavillon angekommen setzte Masamune den Rucksack ab und holte eine Kiste heraus.
"Ich denke... wir sollten mit etwas Kleinem beginnen. Ich würde ihnen gerne etwas zeigen. Darf ich dafür ihre Stirn berühren?"
Während er das fragte, öffnete er die Kiste - Ein Rächerofen und verschiedene Brennmaterialien. Kohle. Und einige Kerzen. Daneben zwei Feuerzeug. Dann schaute er zu Maddy, welche zaghaft nickte.
"Jede Sphäre beginnt mit... ... einem Verständnis für das, was sie ausmacht. Einem... Gespür für die Aspekte der Sphäre. Der Möglichkeit, Dinge zu sehen, die man sonst nicht sieht. All das, was Sie vorhin beschrieben haben - nur eben sehr viel... bewusster."
Masamune kniete sich hin und zündete bei der Erklärung das Räucherwerk an. Es hatte etwas Rituellen an sich, wie zuvor schon der Gang. Dann atmete er weißen Salbei und Kirschblütenaroma ein. Seine Augen schlossen sich für einen kurzen, ehe er die Schale aufnahm und zu Madison herüber kam. Er hielt das Räucherwerk zwischen sich und griff durch den Rauch hindurch. Daumen, Zeige- und Mittelfinger seiner rechte Hand legte sich auf die Stirn der jungen Frau.
Als Madisson das nächste Mal den Duft einatmete, konnte sie den Wind spüren. Nicht auf ihrer Haut. Sie konnte seine Kraft fühlen... seine Bewegung. Wie er mal schwächer und mal stärker wurde. Dann die Wärme der Kohle in der Schale. Wie die Hitze aufstieg und kälter wurde. Die Energien wurden förmlich greifbar und präsent.
-------------
Arete: Verstand 2 + Kräfte 1 (SK 6 -1 (Zeit gelassen))
Pool 3 | Diff 5 | WP
10, 8, 7 => 4 Sux
"In meiner Heimat gibt es ein Sprichwort..." Die Wahrheit war wohl eher so, dass es in Japan zu jeder erdenklichen Lebenssituation mindestens 15 verschiedene Sprichwörter gab. "'Selbst die längste Reise beginnt mit einem ersten Schritt.'. Dort drüben steht ein Pavillon. Er ist etwas abgelegen und ich nutze ihn gerne für Übungen."
Als sie aufbrachen verschränkte der Japaner die Hände hinter dem Rücken und fand schnell einen gleichmäßigen Schritt. Selbst normales Gehen schien bei Masamune etwas Meditatives an sich zu haben. Jeder Schritt war bewusst gesetzt. Der besagte Pavillon war schon in Sichtweite, sodass nicht wirklich Zeit für ein Gespräch blieb.
"Ich freue mich, dass sie entschieden haben diesen ersten Schritt zu gehen, Reid-san."
Am Pavillon angekommen setzte Masamune den Rucksack ab und holte eine Kiste heraus.
"Ich denke... wir sollten mit etwas Kleinem beginnen. Ich würde ihnen gerne etwas zeigen. Darf ich dafür ihre Stirn berühren?"
Während er das fragte, öffnete er die Kiste - Ein Rächerofen und verschiedene Brennmaterialien. Kohle. Und einige Kerzen. Daneben zwei Feuerzeug. Dann schaute er zu Maddy, welche zaghaft nickte.
"Jede Sphäre beginnt mit... ... einem Verständnis für das, was sie ausmacht. Einem... Gespür für die Aspekte der Sphäre. Der Möglichkeit, Dinge zu sehen, die man sonst nicht sieht. All das, was Sie vorhin beschrieben haben - nur eben sehr viel... bewusster."
Masamune kniete sich hin und zündete bei der Erklärung das Räucherwerk an. Es hatte etwas Rituellen an sich, wie zuvor schon der Gang. Dann atmete er weißen Salbei und Kirschblütenaroma ein. Seine Augen schlossen sich für einen kurzen, ehe er die Schale aufnahm und zu Madison herüber kam. Er hielt das Räucherwerk zwischen sich und griff durch den Rauch hindurch. Daumen, Zeige- und Mittelfinger seiner rechte Hand legte sich auf die Stirn der jungen Frau.
Als Madisson das nächste Mal den Duft einatmete, konnte sie den Wind spüren. Nicht auf ihrer Haut. Sie konnte seine Kraft fühlen... seine Bewegung. Wie er mal schwächer und mal stärker wurde. Dann die Wärme der Kohle in der Schale. Wie die Hitze aufstieg und kälter wurde. Die Energien wurden förmlich greifbar und präsent.
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Arete: Verstand 2 + Kräfte 1 (SK 6 -1 (Zeit gelassen))
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10, 8, 7 => 4 Sux
Täuschung und Schein gleichen dem Traum und die Erleuchtung dem Erwachen daraus. Wer träumt, weiß nicht, dass er träumt. Nur der Erwachte weiß, dass er geträumt hat.
Pu’an
Pu’an