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Die Rückkehr an Königin Annes Hof [Liam, Hifumi]

Verfasst: Sa 10. Jan 2026, 23:13
von Hifumi
Wieder einmal findet sich eine junge Japanerin mit ihrer Sporttasche am Hallenbad in Queen Anne ein. Dieses Mal versinkt sie aber zusätzlich in einer pinken Daunenjacke, gegen die winterliche Kälte.

Ihre Körpersprache ist hingegen sehr anders als beim letzten Mal. Beim letzten Mal hatte sie Angst davor entdeckt und erkannt zu werden, Angst davor ertappt und beschämt zu werden, beschämt zu werden dafür dass sie zu groß war für die enge Passform eines braven und anständigen Mädchens.
Die neue Hifumi war weder brav noch anständig, und sie gefiel sich in dieser Rolle sehr gut. Und dieses Mal freute sie sich darauf, Liam zu treffen, anstatt sich davor zu erschrecken und zurückzuscheuen.

Re: Die Rückkehr an Königin Annes Hof [Liam, Hifumi]

Verfasst: So 11. Jan 2026, 16:38
von Liam Carpenter
Liam war relativ spät dran und rannte die letzten Meter von der Bushaltestelle zum Hallenbad. Den Kopf gesenkt und trotzdem unfähig dem unangenehmen Sprühregen zu entgehen der kalt durch seine Kleider kroch. Glücklicherweise war die Schlange kurz und erlaubte ihm ins Trockene unter das Vordach zu flüchten wo Hifumi bereits auf ihn wartete.
„Hey. Was für ein grauenhaftes Wetter.“
Er schüttelte die Ärmel seiner Jacke ab bevor er Hifumi in eine kurze freundschaftliche Umarmung schloss.
„Coole Jacke. Die Farbe ist ja super.“
Vielleicht sollte er auch anfangen ein bisschen mutiger zu werden was seine Kleiderauswahl anging. Im direkten Vergleich mit ihrem letzten treffen in dieser Warteschlange war die Veränderung die Hifumi durchgemacht hatte umso deutlicher. Vor ihm stand eine völlig andere Frau. Eine Frau die Selbstbewusstsein ausstrahlte und sich nicht länger zu verstecken versuchte.

Re: Die Rückkehr an Königin Annes Hof [Liam, Hifumi]

Verfasst: So 11. Jan 2026, 20:46
von Hifumi
"Hey Liam!"

Hifumis Umarmung war fest und herzlich. Bei Liam war sie nicht sonderlich berührungsscheu - sie musste keine Angst davor haben, dass es falsch aufgefasst würde und irgendwelche Erwartungen weckte.

"Danke! Ich mag pinke Sachen."

Auch nach ihrem Coming-Out pflegte sie immer noch einen sehr femininen Stil. Sicher auch eine Folge ihrer konservativen Erziehung, durch die ihr eingeimpft wurde wie sich ein 'anständiges' und 'normales' Mädchen zu kleiden, präsentieren und verhalten hatte, aber sie wirkte nicht unglücklich, im Gegenteil.

"Willst du dich noch etwas trocknen und aufwärmen, bevor wir reingehen? Oder lieber so schnell wie möglich rein ins warme Wasser?"

Re: Die Rückkehr an Königin Annes Hof [Liam, Hifumi]

Verfasst: Di 20. Jan 2026, 13:31
von Liam Carpenter
„Meinst du das würde mir auch stehen? Manchmal denke ich mir, ich sollte mehr mit Farbe experimentieren.“
Er sah demonstrativ an sich herunter. Blau, braun, grün… in gedeckten Tönen. Nicht besonders farbenfroh. Immerhin… kein schwarz, weiß oder grau.
„Lass uns ruhig rein gehen. Ich werde es bis in die Umkleide schaffen ohne festzufrieren. Treffen wir uns gleich bei den Startblöcken?“
Er glaubte nicht, dass die diesmal seine Begleitung brauchte.

Warme Luft, geschwängert mit dem typischen Chlorgeruch, hüllte ihn ein als er kurz darauf die eigentliche Schwimmhalle betrat. Eine willkommene Abwechslung zum nasskalten Regen der die Stadt seit Tagen in seinem Griff hielt. Er war nicht übermäßig empfindlich was schlechtes Wetter anging. Trotzdem genoss er das Gefühl von Behaglichkeit dass ihn durchrieselte als die Kälte sich von seiner Haut zurückzog.

Re: Die Rückkehr an Königin Annes Hof [Liam, Hifumi]

Verfasst: Di 20. Jan 2026, 22:41
von Hifumi
"Ich denke, gedeckte Farben... sie passen zu dir. So vom Typ her, und vom Hautton her."

Abschätzend blickte sie Liam an.

"Es gibt natürlich Männer, die machen in Pastell eine sehr gute Figur. So Vaporwave-mäßig, ein bißchen im Stil von Miami Vice. Müsstest du einfach mal ausprobieren - vielleicht erst einmal mit billigen T-Shirts, die man gut verdecken kann, und in die keine große Fehlinvestition sind, falls du dich damit unwohl fühlst."

Tatsächlich brauchte Hifumi dieses Mal keine Begleitung. Sie bewegte sich erneut im regenbogenfarbenen Triangelbikini, und schwang die Hüften ein wenig mehr als sie musste - fast schon so, als ob sie sich Aufmerksamkeit erhoffte. Das waren nicht die Bewegungen einer verschämten Jungfer, die sich ständig über die Schulter blickte - es waren die Bewegungen einer selbstbewussten jungen Frau, die stolz auf ihren Körper war, und erfreut über eine Gelegenheit ihn zur Schau zu stellen.

Der temporäre Schlampenstempel von ihrem letzten Aufeinandertreffen war mittlerweile vollends abgewaschen. Vielleicht hatte Hifumi noch nicht die Gelegenheit, ihn permanent zu machen - oder hatte es sich inzwischen anders überlegt.

Re: Die Rückkehr an Königin Annes Hof [Liam, Hifumi]

Verfasst: Fr 23. Jan 2026, 15:09
von Liam Carpenter
Die Idee war gut. Ein buntes oder pastellfarbenes Shirt würde seinen Geldbeutel nicht übermäßig strapazieren und wenn es ihm am Ende doch nicht gefiel wäre es keine Katastrophe.
„Ich denke das mach ich. Und wenn ich finde, dass es mir nicht steht kann man T-Shirts auch gut weiterverschenken. Ich mag nichts kaufen um es dann vielleicht am Ende wegzuwerfen nur weils mir zu farbenfroh ist.“
Nachhaltigkeit war etwas das ihm wichtig war. Er ging sehr bewusst mit Konsum, Verpackung und Abfall um. Nicht umsonst schleppte er seinen To-Go Becher und einen Einkaufsbeutel aus Stoff überall mit hin. Einmal-Plastiktüten gehörten wirklich verboten.
Er ging zur Schwimmleiter und streckte prüfend einen Fuß ins Wasser.
„Was hat dich denn im Dezember so auf Trapp gehalten?“
Sie hatte geschrieben, dass ihr Jahresende arbeitsreich gewesen war. Aber das konnte von Job bis Umzug irgendwie alles bedeuten.

Re: Die Rückkehr an Königin Annes Hof [Liam, Hifumi]

Verfasst: Sa 24. Jan 2026, 15:33
von Hifumi
"Ich hatte viel mit der Gefängnisseelsorge zu tun. Weihnachten und Silvester habe ich im Knast verbracht, bei Insassinnen die nicht einmal dann Besuch bekommen."

Hifumi lächelte ein bißchen bittersüß.

"Es ist nicht so, als ob es in der Zeit eine Familie gegeben hätte, bei der ich willkommen gewesen wäre. Zumindest haben meine Schwestern mich abwechselnd begleitet."

Mit einem Ruck sprang Hifumi ins Wasser. Wenn sie nass war, musste niemand das Tränchen sehen das sie sich verdrückte.

Re: Die Rückkehr an Königin Annes Hof [Liam, Hifumi]

Verfasst: So 25. Jan 2026, 11:36
von Liam Carpenter
Liam folgte ihr etwas langsamer über die Leiter.
„Ich kann mir vorstellen, dass das belastend ist. Für die Insassen und für dich. Wir feiern nicht. Aber das ist letztendlich ja auch nicht der Punkt. Sondern das zusammenkommen als Familie und das Bewusstsein was man vermisst.“
Der Anlass war letztendlich nur ein Katalysator für diese Gefühle. Er hatte solche Momente während seiner Forschungsreise ebenfalls erlebt, wenn er an wichtigen Feiertagen nur über einen kurzen Videochat hatte teilnehmen können. Natürlich war die Bedeutung des Tages relevant. Die Rituale die damit verbunden waren. Aber dafür konnte man auch alleine einen Rahmen finden. Was noch deutlich schwerer wog war das allein sein. Das Gefühl die Gemeinschaft in der man normalerweise feierte zu vermissen. Für Hifumi die gerade frisch so viele Brücken abgebrochen hatte waren dass sicher harte Tage gewesen.
„Ich finde deine Arbeit ziemlich beeindruckend. Ich glaube ich könnte kein Seelsorger sein. Ich würde immer alles mit nach hause nehmen und es würde mich irgendwann auffressen.“
Das taten viele andere Dinge ja sowieso schon. Es war nicht so als wäre er besonders gut darin sich vom emotionalen Balast seiner eigenen Freiwilligenarbeit abzugrenzen.

Re: Die Rückkehr an Königin Annes Hof [Liam, Hifumi]

Verfasst: So 25. Jan 2026, 23:30
von Hifumi
"Naja, ich selbst - und meine Familie - wir feiern Weihnachten eigentlich auch nicht. Aber wir kennen es trotzdem, als weltliches Fest am Jahresende, zusammen mit dem westlichen Neujahr. Eine Zeit, wo ich normalerweise mit meiner Familie zumindest telefoniere."

Hifumis Blick ging einen Moment wehmütig in die Ferne. Nach Westen, wo weit über den Pazifik ihr Heimatland liegen mochte?

"Danke. Ich habe über die Jahre an der Aufgabe wachsen müssen - es war der einzige Weg, der mir blieb, um meine Heirat hinauszögern zu können. Den Grund gibt es nun nicht mehr - aber ich bin trotzdem dran geblieben.
Hier im Gefängnissystem, da gibt es viele junge Frauen, denen die Angebote der christlichen Konfessionen nichts bieten können, die sie vielleicht sogar als feindselig empfinden gegen ihren eigenen Lebensstil.
Als Buddhistin werde ich da eher als neutral angenommen, selbst wenn die Damen bisher keinen Bezugspunkt zum Buddhismus hatten. Als eine Schulter, an die sie sich anlehnen können, ohne befürchten zu müssen die üblichen Feuer-und-Schwefel-Predigten anhören zu müssen."


Ihre Augen leuchteten auf.

"Zum Glück habe ich inzwischen einen Ausgleich gefunden. Heather und ihre Partnerin... Sie haben mich ins Herz geschlossen. Als ein naives Betthäschen, als eine dumme Schlampe, die einfach einmal die Liebe eines anderen Mädchens spüren will. Eine Rolle, in die ich sehr gut passe."

Re: Die Rückkehr an Königin Annes Hof [Liam, Hifumi]

Verfasst: Di 27. Jan 2026, 15:33
von Liam Carpenter
„Ich kanns ihnen nicht verübeln.“, antwortete Liam.
„Die christliche Feuer- und-Schwefel-Rhetorik ist nicht unbedingt das was ich als aufbauend beschreiben würde. Ich finde diesen Fokus auf Schuld und Sünde ohnehin ziemlich heimtückisch. Jemandem mit der ewigen Verdammnis nach dem Tod zu drohen, wenn er sich im Leben nicht an bestimmte Regeln hält ist nichts anderes als Manipulation und Erpressung.“
Er machte keinen hehl daraus, dass er wenig von der christlichen Religion hielt. Dafür, dass man sich unter Christen immer so menschenfreundlich gab war man sehr schnell dabei andere als arme Sünder zu brandmarken. Oft genug für Dinge die sich ihrer Kontrolle entzogen. Offensichtlich war die Liebe ihres Gottes also doch nicht so allumfassend wie sie gerne propagierten.

Es war ein Thema über das er sich ausufernd echauffieren konnte. Nicht zuletzt, weil es für ihn als Native American mit einem generationenübergreifenden Trauma verbunden war. Deshalb nutzte er bereitwillig die Möglichkeit das Thema zu erfreulicheren Dingen zu wechseln.
„Es freut mich dass du jemanden gefunden hast mit dem du dich ausprobieren kannst. Wo habt ihr euch kennengelernt?“