Jenseits der Brotzeitdose [Liam, Hifumi]

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Hifumi
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Jenseits der Brotzeitdose [Liam, Hifumi]

Beitrag von Hifumi »

Es dauert ein wenig, bis Liam wieder von Hifumi hört. Es ist eine Doodle-Umfrage, die mehrere Sonntage im Mai anbietet, um in einem japanischen Restaurant namens Beyond Bento in Fremont zu speisen.

Beyond Bento macht dabei einen sehr hipsterischen Eindruck - nackte Backsteinwände, schwarze Handschuhe, und neben veganen Ersatzprodukten (der Restaurantname spielt nicht umsonst auf Beyond Meat an) werden finden sich auch diverse IPAs auf der Karte, einer bitterer als der andere.

Noch bevor Liam sich eintragen kann, tauchen mehrere japanische Namen in der Doodle-Liste auf - so als ob sie schon direkt neben Hifumi gesessen hätten, noch während sie die Umfrage erstellt hatte. Und die sowieso immer Zeit hatten, wann immer auch Hifumi Zeit hatte, nämlich den ganzen Monat hindurch.
  • Hifumi-chan
  • Suzuki Minato
  • Aiko-chan <3
  • Hitomi
Eine ganz neutral, eine sehr formell mit vorangestelltem Nachnamen, und zwei -chans, eine davon besonders verspielt mit Emoticon.

Je nachdem, wie lange Liam sich Zeit lässt, tauchen vorher, gleichzeitig oder später zwei eher westlich anmutende Namen auf:
  • Mary-Anne^^
  • Guadalupe-chan
Liam hatte es in der Hand, entweder Mary-Anne zu vermeiden oder Guadalupe. Oder auch alle beide. Die beiden westlichen Schwestern hatten den Monat hindurch nie gleichzeitig Zeit, aber um die mit Hifumi angereisten japanischen Schwestern würde Liam nicht drum rum kommen.
"Auf jeden Winter wird unweigerlich ein Frühling folgen."
- Nichiren

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Liam Carpenter
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Re: Jenseits der Brotzeitdose [Liam, Hifumi]

Beitrag von Liam Carpenter »

Er warf einen kurzen Blick auf die Internetpräsenz des Restaurants. Ziemlich modern. Fast ein bisschen zu hipp, aber noch nicht hipp genug, dass es weh tat. Und ein Blick auf die Karte offenbarte, dass es eine ganze Reihe veganer Varianten der typisch traditionellen Gerichte gab. Das versöhnte ihn gleich ein bisschen mit den nackten Backsteinwänden.

Er zückte seinen Terminkalender. Tatsächlich traf am Ende die pure Notwendigkeit die Wahl, dass er Mary-Anne^^`s Bekanntschaft machen würde. Schlicht, weil er nur einen Sonntag anbieten konnte. Aber mehr brauchte es ja auch nicht.

Er war wirklich sehr gespannt darauf Hifumis Mitbewohnerinnen kennenzulernen. Die gesichtslosen Namen endlich mit etwas mehr Farbe und Leben füllen zu können.

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Hifumi
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Re: Jenseits der Brotzeitdose [Liam, Hifumi]

Beitrag von Hifumi »

Eine Gruppe von sechs Frauen fand sich mehrere Minuten vor besagtem Sonntagmittag im Juli vor dem Restaurant ein. Umsichtigerweise hatten sie "Hi, My Name Is..."-Namensschilder an ihrer Kleidung angebracht.

"Hifumi" musste man zwei mal anschauen, um sie wiederzuerkennen. Es war immer noch die gleiche junge Frau wie beim letzten Zusammentreffen, aber es war als ginge ein inneres Leuchten von ihr aus - und strahlte durch ihre makellose Haut, die sie bereitwillig zur Schau stellte. Weder das bauchfreie weiße Top noch die tief geschnittene Hüfthose machten sich viel Mühe, ihre rote Unterwäsche zu verbergen. Ein sehr hübsches, aber vor allem sehr niedliches junges Ding, dessen Bewegungen und Manierismen zugleich 'Beschütze mich' und 'Nimm mich' riefen und viele männliche Köpfe nach sich umdrehen ließ. Die vormals so verklemmte Betschwester aalte sich geradezu in diesem Effekt, den sie hatte, und lächelte selbstbewußt.

"Suzuki Minato" hatte tatsächlich sogar auf ihr Namensschild ihren Nachnamen zuerst geschrieben. Eine junge Asiatin, die sehr viel älter wirkte durch ihre streng zusammengebundenen Haare, die große Brille und das graue Kostüm. Ihr Gesichtsausdruck war nicht gerade glücklich, und ihr Blick mißmutig als sie sowohl das nicht besonders japanische Restaurant als auch den nicht besonders japanischen Gast betrachtete.

"Aiko-chan <3" hatte ebenfalls ihr Namensschild genauso ausgeführt wie in der Doodleumfrage - und betonte im Gegensatz zu Minato ihre Jugendlichkeit und Niedlichkeit. Rosa Top (aber züchtiger geschnitten als das von Hifumi), kurz über den Knien endender weißer Stufenrock, dazu lange weiße Strümpfe. Sie war geradezu übersäht mit Teddybärchen, Hello Kittys, Haarbändchen und vielen anderen niedlichen Accessoires, die sie jünger wirken ließen als sie war, genauso wie ihre zu Pigtails gebundenen Haare. Sie schenkte Liam ein offenes Lächeln und strahlende Augen - aber das schien sie mit jedem zu tun, den sie traf.

"Hitomi" war die am nüchternsten gekleidete von den Schwestern. Langärmeliger weißer Cardigan trotz des warmen Wetters, ein Top in Persian Rose mit sehr breiten Trägern, und ein sehr langer geblümter Rock. Am unauffälligsten von allen Schwestern geschminkt - so, als ob sie männliche Aufmerksamkeit von sich fernhalten wollte. Sie schenkte Liam ein kurzes Lächeln, aber nahm dann wieder einen neutralen Gesichtsausdruck an.

"Mary-Anne" war die erste Weiße in der Gruppe. Mit 1,80m war die Blondine sehr groß gewachsen. Bluejeans, Karobluse, dazu ein weißer Stetson und Cowboystiefel. Der Kreuzanhänger um den Hals hinterließ in Verbindung mit der Gebetsperlenkette einen etwas konfusen Eindruck, so als ob sie noch nicht lange und intensiv dabei wäre. Auch sie schenkte Liam ein Lächeln und tippte sich an den Hut. Die Aussprache ihres "Howdy!" machte klar, dass sie ein Transplantat aus Texas war.

"Morgan" war wohl ein kurzfristiger Überraschungsgast - sie war nicht in der Doodleumfrage vorgekommen, und ihr Namensschild wirkte wie sehr hastig gekritzelt ausgefüllt. Die Kaukasierin war die am wenigsten feminine in der Frauengruppe, mit sehr kurzem blauen Haar mit zwei Bangs unter einer Schiebermütze, schwarzer genieteter Lederjacke, Arbeitshose mit Latz und Cargotaschen sowie mit Springerstiefeln. Sie war auch die einzige ohne Gebetskette.
Die Japanerinnen schienen unterbewußt Abstand zu ihr zu halten - dafür wanderte Morgans Blick immer wieder zu Hifumis körperlichen Vorzügen.
Einen Moment ist da ein vages Wiedererkennen, als sie Liam anblickt. Vielleicht vom Wildrose, oder vom letzten Pride-Clean-Up?
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- Nichiren

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Liam Carpenter
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Re: Jenseits der Brotzeitdose [Liam, Hifumi]

Beitrag von Liam Carpenter »

Liam fühlte sich in Anbetracht der bunten Truppe deutlich underdressed. Insbesondere im Vergleich zu Hifumi die regelrecht von ihnen zu strahlen schien. Gegen sie wirkte er schlicht. Unauffällig. Er trug Jeans und ein helles, kurzärmliges Leinenhemd. Die Haare wie üblich zu zwei Zöpfen geflochten. Um den Hals die Kette mit den selbstgeschnitzten Tieranhängern.

„Ich bin Liam. Freut mich euch alle kennenzulernen.“, grüßte er in die Runde während sein Blick einen Moment länger an Morgan hängen blieb. Er meinte sie schon einmal gesehen zu haben, konnte den Finger aber nicht recht drauflegen wann und wo.
„Wollen wir reingehen?“
Er trat zur Tür um sie für die Gruppe aufzuhalten.

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Hifumi
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Re: Jenseits der Brotzeitdose [Liam, Hifumi]

Beitrag von Hifumi »

Hifumi schien den Effekt in der Außenwirkung gar nicht zu beachten, sondern schenkte Liam eine Umarmung. "Schön dich wiederzusehen, Liam. Ich muss dir noch etwas zeigen... Da hätte ich vor einem Jahr noch nicht den Mut dazu gehabt. Aber jetzt - jetzt bin ich sogar richtig stolz darauf!" Sie wirkte richtig aufgekratzt, so als könnte sie gar nicht abwarten es zu präsentieren.

Aiko, Hitomi, Mary-Anne, Hifumi - sie alle nahmen die angebotene Höflichkeit der offen gehaltenen Tür bereitwillig an.

Suzuki Minato, die für eine Missionarin im Ausland ersichtlich wenig Lust darauf hatte, sich mit Nichtjapanern abzugeben, zögerte.
Bis sich Morgan einschaltete, die aus anderen Gründen wenig Neigung dazu hatte, sich von einem Mann bei der Alltagsfrage des Türeaufhaltens in eine typisch weiblich-submissive Rolle drängen zu lassen. Sie hielt demonstrativ hinter Liam die Tür offen, und bedeutete Liam vorauszugehen, sie war Frau genug um diese Aufgabe zu übernehmen.
Suzuki Minato zögerte einen Moment, auf dieses Angebot durch eine andere Frau und eine Lesbe obendrein einzugehen - aber huschte dann umso schneller durch die Tür, so als ob sie diesen Moment der Peinlichkeit nicht unnötig hinausziehen wollte. Die sehr konservativ gekleidete Japanerin mochte Hifumi trotz ihres nicht in das traditionelle Rollenbild der Sekte passenden Lebenswandels zu unterstützen - aber so richtig verinnerlicht hatte sie die daraus resultierenden Implikationen noch nicht.

Am Tisch vollzog sich eine separate Hierarchieübung. Hifumi als YWD-Leiterin an der Spitze, ihre Nummer Zwei Suzuki Minato zu ihrer rechten. Zu ihrer Linken wurde Mary-Anne platziert, danach Liam, danach Morgan - die beiden, die neben Hifumi am fittesten im Englischen waren, rund um den fremden Gast. Man hätte Liam auch direkt neben Hifumi platzieren können - aber das wäre unschicklich gewesen, der Platz direkt neben der YWD-Leiterin gehörte zu einem Tempelmitglied, nicht zu einem geduldeten Ungläubigen.
Hitomi neben Morgan und Aiko zwischen Hitomi und Suzuki Minato komplettierten den Kreis.

Hifumi hatte vielleicht den Tempel gewechselt, und obwohl man bei Nichiren-Shu Lesben gegenüber vielleicht etwas aufgeschlossener war - man mochte keine Nichtjapaner, und noch weniger mochte man Leute die sich nicht die geringste Mühe gemacht hatten die japanische Zunge zu erlernen.

Die Speidekarten begannen herumzugehen, dankenswerterweise in Englisch geschrieben, so dass auch Liam ihnen problemlos folgen konnte. Sehr viele Standardgerichte, und auch ein paar nicht-japanische Gerichte wie Bami Goreng die eigentlich nicht hierher gehörten, aber vom ungebildeten Durchschnittsamerikaner beim Chinesenjapanervietnamesendiner einfach erwartet wurden. Interessanterweise waren vegane Gerichte explizit hervorgehoben und zahlreich vertreten, einer der Vorzüge von einem Hipsterladen.
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- Nichiren

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Liam Carpenter
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Re: Jenseits der Brotzeitdose [Liam, Hifumi]

Beitrag von Liam Carpenter »

Tatsächlich hatte Liams Bemühung rund um die Tür eher praktische als traditionell männliche Hintergründe. Für eine so große Gruppe war es einfach… praktikabel, wenn einer den Job des Türstoppers übernahm.
Er protestierte allerdings auch nicht als Morgan ihm so zielstrebig die Tür aus der Hand nahm. Es war eine durchaus faszinierende soziologische Studie in Miniaturform.
Die Hierarchie ging an Liam in großen Teilen vorbei. Er nahm durchaus wahr, dass Hifumi eine gewisse Sonderstellung einnahm. Aber wie sich die Gruppe darunter auffächerte… dazu kannte er die Dynamik zwischen den Frauen nicht gut genug.
„Könnt ihr mir eins von den veganen Gerichten empfehlen?“, bemühte er sich das Eis ein bisschen zu brechen. Ziemlich offensichtlich wurde seine Anwesenheit mit gemischten Gefühlen aufgenommen.

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Hifumi
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Re: Jenseits der Brotzeitdose [Liam, Hifumi]

Beitrag von Hifumi »

Liams direkte Sitznachbarin Mary-Anne zuckte mit den Schultern - die aus buddhistischer Sicht ethischen Vorzüge von veganer Ernährung waren bei ihr wohl noch nicht vollends angekommen. Bratnudeln mit Huhn und Gemüse erschienen als sichere Option.
Auch die anderer Hinsicht deutlich linksgerichtere Morgan wusste mit der Frage nicht viel anzufangen. Themen über Frauen, Frauenpower (besonders wenn irgendwelche Chauvis ihr die Tür aufhielten und sie in eine unterwürfige Frauenrolle drängten), Liebe unter Frauen, diese Themen lagen ihr wohl deutlich näher als Tierwohl bei der Ernährung. Ihre Wahl fiel auf Bratnudeln mit Rind und scharfen schwarzen Bohnen.

Hifumis Nummer 2, Minato, rückte angesichts der Beleidigung, in irgendeiner anderen Zunge als der gottbenetzten japanischen Zunge angesprochen zu werden, ein Stückchen ab von Liam, und verwickelte Hifumi in ein Gespräch - auf japanisch, ein bißchen zu laut und demonstrativ und passiv-aggressiv.

Dafür waren die Bemühungen von Aiko und Hitomi gegenüber Liam um so goldiger und rührender. Ihre Finger suchten die Karte ab, immer wieder da anhaltend wo ein Gericht als vegan hervorgehoben wurde, und umständlich den Namen auf englisch aussprechend. "Kikeru Erubsu?" "Tofu?" Sie taten sich schwer damit, ein flüssiges Gespräch zu führen, aber zumindest bemühten sie sich, und ergänzten sich gegenseitig wenn einer der beiden jungen Japanerinnen ein Wort nicht einfiel. Am Ende fiel ihre Empfehlung auf den Agedashi-Tofu. "Das ist frittierter Tofu" begann die niedliche Aiko die Erklärung. "Wir haben hier noch nie gegessen - aber da kann man nicht viel verkehrt machen. Dicke Amerikaner sind gut beim frittieren. Sie konnen nehmen die klassische Version mit Frühlingszwiebeln und Winterrettich - oder Sie konnen nehmen schwarze Bohnen wenn gerne essen heiß." "Saaf" korrigierte Hitomi, "meine Schwester meinte saaf. Ich glaube der Rezept mit Plattgemuse ist auch sehr gut. Es ist nicht wie wir Agedashi-Tofu in Japan essen. Aber viele Gemusen sind heldenhaft zusammengekommen aus der Erde und aus die Geholz, als dass eines mindestens davon die Gaumen wird befriedigen."
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